Sport : Abstieg als Fortschritt

Benedikt Voigt

Man stelle sich den aktuellen italienischen Fußballskandal unter der Regierung Silvio Berlusconis vor. Der AC Mailand wäre straflos davongekommen, und auch Juventus Turin, Lazio Rom und der AC Florenz müssten sich kaum Sorgen machen. Berlusconi hat ja bereits für eine Amnestie plädiert, so wie es üblich war in seiner Amtszeit als Ministerpräsident. Als Juventus Turin in einen Dopingprozess verwickelt war, endete das Berufungsverfahren mit Freisprüchen. Und als einige Vereine der Serie A hoffnungslos verschuldet waren, rettete er sie mit einem neuen Gesetz.

Vorbei, Berlusconi ist abgewählt und in der italienischen Sportjustiz bricht eine neue Zeit an. Das beweist das gestrige Urteil, das für Italien ein großer Fortschritt ist. Die Sportjustiz löst sich aus der Umklammerung der Politik. Die Zurückstufung dreier renommierter Klubs in die Serie B trifft Italiens Fußball schmerzlich und wird Veränderungen auslösen. Die neue Führung des italienischen Fußballverbandes muss sich überlegen, wie sie künftig mafiöse Strukturen zwischen Vereinen, Schiedsrichtern und Spielern verhindern kann. Zumal sich der italienische Fußball bei Verfehlungen nicht mehr auf eine willfährige Justiz verlassen kann.

Ganz frei aber von Einflüssen scheint die Sportjustiz noch nicht zu sein. Dass das Urteil milder ausfällt, als es die Anklage beantragt hatte, dürfte Italiens Begeisterung über den vierten WM-Titel geschuldet sein.

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