Sport : Abstieg am Anstieg

Robert Ide

erklärt, warum Jan Ullrich kein Verlierer ist Wie er sich quält. Das Gesicht verschwitzt, die Beine schwer, die Augen aufgerissen. Sie blicken starr nach vorn, dort wo die Konkurrenten ihm davonradeln am steilen Berg. Bis zu diesen Bildern des Leidens war Jan Ullrich ein deutsches Idol. Nach den Pyrenäen-Etappen ist er plötzlich ein Verlierer. In den Zeitungen steht bereits der Abgesang: „Nein, Jan, nein! Das darf doch nicht wahr sein. Unser Rad-Held hat die Tour de France schon verloren.“

Doch Jan Ullrich ist kein Verlierer. Zwar vermag er es auch in diesem Jahr nicht, den Tempowechseln des Dauersiegers Lance Armstrong zu folgen, zwar verliert er Tag für Tag wertvolle Zeit. Aber Ullrich kämpft, gibt nicht auf. Er bewahrt sich die Motivation eines Hoffnungsträgers. Auch wenn es keine Hoffnung mehr auf den Gesamtsieg gibt.

Andere Favoriten sind längst nicht mehr dabei. Tyler Hamilton – ausgestiegen. Iban Mayo – musste zum Weitermachen überredet werden. Ullrich dagegen versucht mit all der ihm verbliebenen Kraft, den Attacken am Anstieg standzuhalten. Auch wenn sein Team nach Winokurows Ausfall und Boteros Formschwäche nicht komplett genug ist, um ihn die Pässe hochzuziehen. Auch wenn sein persönlicher Berater wegen interner Streitigkeiten nicht in seine Nähe darf. Auch wenn seine Form schlechter ist als die seines Helfers Andreas Klöden.

Die Bedingungen für Jan Ullrich sind nicht einfach. Wieder einmal kann der deutsche Hoffnungsträger nur um die Plätze hinter Armstrong fahren. Aber er verausgabt sich für den unmöglichen Sieg. Verlierer würden das nicht tun.

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