Abstiegskampf : Hertha nach Sieg in Köln: Nur noch drei

Es gibt wieder Hoffnung: Hertha gewinnt dank Toren von Raffael und Cicero mit 3:0 gegen den 1. FC Köln. Wenn Hannover 96 nicht in Hamburg gewinnt, müssen die Berliner in den letzten fünf Spielen nur noch drei Punkte bis zum Relegationsplatz aufholen.

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Freude nach Raffaels 2:0. -Foto: ddp

Als Manager von Hertha BSC hat man in diesen Wochen nicht allzu viel zu lachen, aber die Meldung, die in dieser Woche aus Köln nach Berlin geschwappt ist, hat Michael Preetz dann doch herzlich amüsiert. Eine Boulevardzeitung hatte berichtet, dass der 1. FC Köln an Herthas Spielmacher Raffael interessiert sei. Wie praktisch, dass der Brasilianer sich gestern gleich bei seinem vermeintlichem neuen Arbeitgeber empfehlen konnte. Der Auftritt dürfte die Kölner in ihrer Einschätzung bestärkt haben, dass Raffael ein guter Mann ist – für den FC aber wird er wohl in der nächsten Saison nicht spielen. Stattdessen sind die Aussichten, dass er in Berlin bleiben darf, wieder deutlich gestiegen. Dank zwei Toren von Raffael vor der Pause und einem Freistoßtreffer von Cicero in der zweiten Halbzeit besiegte Hertha den 1. FC Köln gestern 3:0 (2:0).

„Es ist immer noch Wahnsinn, dass die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz steht“, sagte Michael Preetz nach Herthas viertem Auswärtssieg in der Rückrunde. Aber der Abstand schmilzt. Wenn Hannover 96 heute nicht in Hamburg gewinnt, muss Hertha nur noch drei Punkte bis zum Relegationsplatz aufholen. „Die Mannschaften vor uns wissen jetzt, dass sie uns ernst nehmen müssen“, sagte Trainer Friedhelm Funkel. „Wir werden weiter versuchen, das Unmögliche möglich zu machen.“

Zu Beginn hatte es nicht unbedingt nach einem derart klaren Sieg für die Berliner ausgesehen. Das Spiel in Müngersdorf zeichnete sich anfangs nicht durch eine hohe Ereignisdichte aus. Die Kölner mühten sich vor 46 300 Zuschauern um offensives Spiel, ihre erste Chance aber leitete Jaroslav Drobny ein. Gerade 70 Sekunden waren gespielt, da zögerte Herthas Torhüter bei einem Rückpass – und spielte den Ball dann genau in die Füße von Milivoje Novakovic. Kölns Stürmer aber ließ sich von Herthas Verteidiger Arne Friedrich noch entscheidend abdrängen.

Die Gäste aus Berlin orientierten sich in der Anfangsphase eher zaghaft nach vorne. „Wir haben schon besser gespielt“, sagte Michael Preetz. Aber nicht immer so effektiv. Gleich mit der ersten Offensivaktion ging Hertha in Führung. Raffael zog von der linken Seite in die Mitte, entledigte sich seines Gegenspielers, schien den richtigen Moment zum Abschluss schon verpasst zu haben, doch der Ball landete über Adrian Ramos erneut vor Raffaels Füßen: Sein Schuss wurde noch leicht abgefälscht und trudelte schließlich an Torhüter Faryd Mondragon vorbei ins Tor.

Nur zwei Minuten später besaßen die Kölner ihre erste gute Gelegenheit zum Ausgleich. Nach einer Ecke von Zoran Tosic köpfte Novakovic den Ball aus zwei Metern an die Unterkante der Latte. Aus dem Spiel aber wurde der FC überhaupt nicht mehr zwingend. Herthas Innenverteidigung, in der Steve von Bergen für den verletzten Roman Hubnik spielte, geriet so gut wie gar nicht in Gefahr. Die letzte Kölner Chance vor der Pause entsprang einem Freistoß, den Tosic über die Berliner Mauer zirkelte, Drobny aber wischte den Ball aus dem Winkel.

Zu diesem Zeitpunkt murrte das Publikum bereits gut vernehmlich. Dass der FC kurz darauf mit wütenden Pfiffen in die Pause geleitet wurde, hatte erneut Raffael zu verantworten – die eigentliche Schuld für das 0:2 aber war eher im wiederholt dilettantischen Abwehrverhalten der Kölner zu verorten. Nach einem langen Ball umkurvte Theofanis Gekas Kölns Torhüter Mondragon, legte den Ball zurück auf Cicero, und dessen Flanke stocherte Raffael trotz Kölner Überzahl im Strafraum zum 2:0 ins Tor.

Zwei Möglichkeiten, zwei Tore: So schludrig, wie die Berliner in jüngerer Vergangenheit mit ihren Chancen gehaushaltet hatten, so effizient gingen sie gestern zu Werke. „Wir haben heute auch mal dreckige Tore gemacht“, sagte Preetz. Kölns Trainer Zvonimir Soldo musste dagegen nach einem bemitleidenswerten Auftritt seiner Mannschaft erkennen: „Wir haben den Gegner durch die beiden Tore aufgebaut.“

Hertha brachte den Sieg ohne größere Mühe über die Ziellinie. Die mangelnde Qualität der Kölner, die gerade 36 Prozent ihrer Zweikämpfe gewannen, entlarvte Ramos eine Viertelstunde vor Schluss. Mit einem Solo ließ er die gesamte Kölner Abwehr hinter sich, erst Youssef Mohamad konnte ihn mit einem Foul stoppen. Schiedsrichter Peter Gagelmann verlegte den Tatort vor die Strafraumlinie und zeigte Kölns Verteidiger die Rote Karte. Der Ärger über einen verwehrten Elfmeter hielt bei den Berlinern nicht lange an – Cicero jagte den Freistoß zum 3:0 ins Tor.

„Wir ham die Schnauze voll!“, riefen die Kölner Fans, die auch im sechsten Heimspiel hintereinander keinen Sieg feiern konnten. Die meisten flüchteten gleich darauf aus dem Stadion und verpassten eine weitere kuriose Szene: Zoran Tosic holte sich innerhalb einer Minute erst die Gelbe Karte wegen Meckerns und dann Gelb-Rot für eine Schwalbe ab. „Das passt zu unserem Tag“, sagte Soldo.

Tage, an denen alles schief läuft, was schief laufen kann, kennen auch die Berliner. Aber im Unterschied zur Hinrunde gibt es inzwischen auch andere.

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