Abstiegskampf : Hertha verliert gegen Hoffenheim

War es das schon? Hertha BSC verliert im heimischen Olympiastadion mit 0:2 gegen Hoffenheim und macht dem letzten Tabellenplatz alle Ehre.

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Fassungslosigkeit bei den Herthanern nach dem ersten Gegentor. -Foto: dpa

Berlin - War es das schon? Hat Hertha BSC am 24. Spieltag alle realistischen Hoffnungen verspielt auf eine Zukunft in der Bundesliga über den Mai hinaus? Sechs Tage nach dem Hoffnung machenden 3:0 in Freiburg zeigten die Berliner beim 0:2 (0:1) gegen die TSG Hoffenheim, dass sie nicht zu Unrecht auf dem letzten Tabellenplatz stehen. 37 391 Zuschauer im Olympiastadion erlebten einen Abgrund von Ideenlosigkeit, der wenig Mut macht für die letzten zehn Spiele.

Trainer Friedhelm Funkel zitierte, wahrschein unabsichtlich, Rudi Dutschkes Parole „der Kampf geht weiter!“ Allerdings nicht mit erhobener Faust, sondern mit Nüchternheit eines Mathematikers, der um die rechnerischen Möglichkeiten seines Uternehmens weiß und dabei individuelles und kollektives Können ausblendet. Herthas Philosophie unter Funkel sieht so aus: Abwarten, bis ein schwächerer Gegner Fehler macht. Das funktioniert gegen Freiburg und Hannover, aber schon nicht mehr gegen eine kriselnde Mannschaft wie Hoffenheim, die weit entfernt ist von der Wucht und dem Esprit der vergangenen Saison. Hoffenheim war ein dankbarer Gegner, aber auch ein dankbarer Gegner will erst einmal besiegt werden. Dafür tat Hertha zu wenig.

Berliner Drangphase zu Beginn

Funkel und sein Kollege Ralf Rangnick stritten nach dem Spiel darüber, ob Hertha denn die ersten 15 oder 25 Minuten dominiert hatte. Egal, es ging diese Berliner Drangphase jedenfalls viel zu schnell vorüber. Und wie so oft standen Aufwand und Ertrag in keinem angemessenen Verhältnis zueinander.

Schon nach 50 Sekunden legte Hoffenheims Marvin Compper den Ball auf den Fuß von Raffael, der freie Bahn zum Tor hatte und aus spitzem Winkel lieber selbst schoss, als den mitgelaufenen Theofanis Gekas zu bedienen. Dann ging Lukasz Piszczek auf dem rechten Flügel durch und spielte zurück auf Raffael, doch der schlug über den Ball. Es folgte ein doppelter Doppelpassvon Cicero und Raffael, an dessen Ende Adrian Ramos vorbeischoss. „Aus solchen Situationen muss man Tore machen“, befand Funkel.

Immerhin wirkte diese stürmische Anfangsphase noch wie das engagierte Statement einer Mannschaft, die zuletzt stets kritisiert worden war für ihre verhaltene Art, ein Spiel zu beginnen. Um so unverständlicher war, was folgte. Friedhelm Funkel wird zu ergründen haben, warum seine Mannschaft diesen Stil nicht weiter pflegte, sondern sich dem gemütlichen Tempo des Gegners anpasste.

Friedrich wird vor dem 0:1 getunnelt

Entstehung und Vollendung des vorentscheidenden 1:0 standen für sich und das gesamte Spiel. Demba Ba schob Arne Friedrich den Ball im Strafraum durch die Beine, was unangenehm genug war, aber von Piszczeks nicht einmal halbherzigem Nachsetzen noch unterboten wurde. Ba vollendete sicher und küsste aus lauter Dankbarkeit für dieses Berliner Geschenk den olympischen Rasen.

Piszczek schied kurze Zeit später mit einer Knöchelverletzung aus. Trainer Funkel verschob Friedrich auf die Position des Rechtsverteidigers und schickte Steve von Bergen von der Bank ins Abwehrzentrum. Das blieb lange Zeit ohne negative Konsequenz, weil Hoffenheim sich mit dem Erreichten begnügte und nicht viel für einen Ausbau des fragilen Vorsprungs tat. Das Problem war, das Hertha im Spiel nach vorn nichts einfiel, mal abgesehen von einer dummdreisten Schwalbe Ciceros, für die er völlig zu Recht die Gelbe Karte kassierte.

Im Angriff demonstriere Gekas diue Kunst des sich unsichtbar machens so eindrucksvoll wie einst David Copperfield. Man darf darüber streiten, ob das am mangelnden Engagement des vormaligen Bundesliga-Torschützenkönigs lag oder an der Unfähigkeit seiner Kollegen, ihn ins Spiel einzubinden. Jedenfalls produzierte Herthas Angriff nach dem furiosen Auftakt nicht den Hauch von Gefährlichkeit. Hoffenheim kam immerhin noch zu einer Chance, Vedad Ibisevic nutzte sie in der Nachspielzeit zum 2:0, von Bergen abschüttelnd wie eine lästige, aber eben doch harmlose Fliege.

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