Sport : Abstiegskampf mal zwei

Eintracht Braunschweig holt mit dem 1:1 gegen Nürnberg den ersten Punkt.

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Punktelieferant. Der Treffer von Omar Ellabdellaoui (links) bescherte Braunschweig den Ausgleich. Dennoch wurde deutlich: Dem Aufsteiger fehlt die sportliche Qualität. Foto: dpa
Punktelieferant. Der Treffer von Omar Ellabdellaoui (links) bescherte Braunschweig den Ausgleich. Dennoch wurde deutlich: Dem...Foto: dpa

Der erste Punkt ist immer der schönste. Deshalb war es ein schöner Sonntag für Eintracht Braunschweig, gekrönt von einer Aufholjagd, sie zeitigte noch ein hoch verdientes 1:1 (0:1) gegen den 1. FC Nürnberg. Aber war es auch ein erfolgreicher Sonntag? Einer, der etwas aussagt über die Konkurrenzfähigkeit des Aufsteigers nach zuvor vier Niederlagen in den ersten vier Spielen?

In der Braunschweiger Fankurve brüllten und pfiffen sie, zuvorderst über die Zeit schindenden Nürnberger und über den Schiedsrichter, der bekanntlich immer Schuld ist. Aber da klang auch Enttäuschung mit in der Reaktion des Publikums. Denn gegen wen wollen sie denn sonst gewinnen, wenn nicht gegen diesen 1. FC Nürnberg, der das Fußballspielen in der zweiten Halbzeit völlig einstellte? „Da muss man nicht lange drum herumreden, das war ein sehr glücklicher Punkt für uns“, sagte Nürnbergs Trainer Michael Wiesinger.

Die 22 570 Zuschauer im Stadion an der Hamburger Straße sahen an diesem fünften Spieltag zwei Mannschaften, die bis zum Schuss dabei sein werden in der Verlosung um einen Platz in der Zweitklassigkeit. Die Nürnberger mögen darauf hoffen, dass sie ihre technische Klasse bald reaktivieren können, aber mit der in Braunschweig gezeigten Einstellung wird das schwer. Und die Eintracht? Ihr Trainer Torsten Lieberknecht feierte später den Nürnberger Torhüter Raphael Schäfer, als hätte der mindestens zehn todsichere Braunschweiger Chancen entschärft. „Meine Mannschaft hat alles gegeben, aber da war ein Torwart, der hat nicht mehr zugelassen“, sagte Lieberknecht.

Schäfer hatte in der Tat drei, vier gute Paraden gezeigt, aber „dafür ist er ja auch da“, sagte Nürnbergs Mittelfeldspieler Timothy Chandler. Die Geschichte vom Torwarttitan, der dem Aufsteiger den Sieg raubt, sie greift zu kurz. So gut musste Schäfer gar nicht sein, weil die Eintracht nicht so gut war.

In der Zweiten Liga lässt sich mit Sekundärtugenden einiges bewerkstelligen, sogar der Aufstieg. Aber weiter oben macht die sportliche Qualität den Unterschiede. Und diese Qualität fehlt den Braunschweigern. Auch und gerade im Spiel nach vorn. Beispielhaft dafür stand, wie wie der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Stürmer Karim Bellarabi in der Anfangsphase die durchaus mögliche Führung für die Eintracht verschluderte. Eher zufällig war der Ball in seinen Lauf geflogen, aber Bellarabi traute sich kaum hinterher, er zögerte und zauderte so lange, bis Schäfer herausgelaufen kam, und da war es auch schon vorbei mit der Chance.

Die Nürnberger ließen sich bei ihrer ersten Chance nicht lange bitten. Nach Chandlers Flankenlauf auf der rechten Seite stolperte der Braunschweiger Benjamin Kessel, so dass Adam Hlousek viel Zeit und wenig Gegenwehr hatte, beides nutzte er zum Führungstor. Für den Tschechen war es nach längerer Verletzungspause ein verheißungsvolles Comeback. Seine Kollegen verleitete es ein wenig voreilig dazu, den ersten Saisonsieg schon als perfekt zu betrachten. Daniel Ginczek hätte nach ein paar Sekunden in der zweiten Halbzeit beinahe das 2:0 nachgelegt, zirkelte den Ball aber nach einem grandiosen Missverständnis in der Braunschweiger Abwehr knapp am Tor vorbei. „Wenn der drin ist, dann ist das Spiel gelaufen“, sagte Timothy Chandler.

Die Eintracht war schwer angeschlagen. Kumbela schoss zwar ein Tor, stand dabei aber so deutlich im Abseits, dass er nicht mal halbherzig protestierte. Die Nürnberger Passivität, die Unfähigkeit, selbst etwas für die Gestaltung des Spiels zu tun, all das machte dem Aufsteiger Mut. Der Club verlor auch mit dem gerade aus Wolfsburg rekrutierten Makoto Hasebe mit zunehmender Spielzeit immer mehr die Kontrolle über den Ball und stolperte von einer Verlegenheit in die nächste.

Besonders gut zu sehen war das, als Per Nilsson nach gut einer Stunde unbedrängt im eigenen Strafraum über den Ball trat und damit Kumbela in perfekte Schussposition brachte. Torhüter Schäfer verhinderte noch einmal Schlimmeres, aber kurz darauf war es geschehen. Bellarabi legte quer auf Omar Elabdellaoui, der ungefähr dorthin schoss, wo es zuvor Kumbela versucht hatte. Nur noch etwas schärfer und platzierter, und diesmal flog Schäfer vergeblich.

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