Abstiegskampf : Tradition schießt keine Tore

Wenn die Bundesliga eine Seifenoper wäre, dann hieße die aktuelle Folge, Teil 27 der großen Fußballfamiliensaga, vermutlich "Tradition am Abgrund". Auf den letzten drei Plätzen der Tabelle ballt sich die Kompetenz von zwölf Meistertiteln.

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Hinterhergelaufen. Auch mit dem neuen Trainer Krassimir Balakow hält der Abwärtstrend des 1. FC Kaiserslautern an.
Hinterhergelaufen. Auch mit dem neuen Trainer Krassimir Balakow hält der Abwärtstrend des 1. FC Kaiserslautern an.Foto: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern (vier Titel), Hertha BSC (zwei) und der Hamburger SV (sechs) müssen mehr oder weniger ernsthaft um die Zugehörigkeit zur Bundesliga bangen. Und auch wenn es angesichts der unterschiedlichen Voraussetzungen schwierig ist, allgemeine Aussagen zu treffen, so handelt es sich zumindest um ein bemerkenswertes Phänomen. Erst recht, weil das Elend der Traditionsklubs mit dem Aufschwung der No-Names Augsburg und Freiburg einhergeht, die bis tief in die Saison hinein als sichere Absteiger galten.

Während Lautern eine komplette Halbserie nicht mehr gewonnen hat, während Hertha von zehn Rückrundenspielen acht verloren hat, während der HSV in den jüngsten sechs Partien gerade einen Punkt geholt hat – während das Establishment also verlässlich schwächelt, ist Augsburg seit fünf Spielen ungeschlagen; und Freiburg hat schon jetzt mehr Punkte geholt als in der gesamten Hinrunde.

Eine große Vergangenheit, schön und gut, doch wer in der Gegenwart ein paar Fehler zu viel macht, dem wird sie wenig helfen. Tradition schießt keine Tore, vor allem aber verstellt Tradition manchmal den Blick auf die Wirklichkeit. Das gilt in erster Linie für den HSV, der am wenigsten auf die Erfordernisse des Abstiegskampfes vorbereitet ist – der aber zumindest in der Theorie über genügend Qualität verfügen sollte, um den Trend wieder umzukehren. Ein Blick in die Vergangenheit kann da durchaus ermutigend wirken. Vor gut einem Jahr, am 25. Spieltag der Saison 2010/11, belegten die Altmeister Stuttgart, Kaiserslautern und Mönchengladbach die letzten drei Plätze. Abgestiegen ist am Ende keiner.

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