Abstiegskampf : Woche der Endspiele für Hertha

Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga hat in dieser Woche zwei Endspiele zu bestreiten: gegen Köln und gegen Heerenveen. Es besteht kein Zweifel daran, welches von beiden das bedeutendere ist.

Stefan Hermanns

Berlin - Nicht mal zehn Wochen ist es her, da sah die Welt bei Hertha BSC noch richtig rosig aus. Es war Donnerstag, der 27. August, als der Berliner Fußball-Bundesligist seinen Anhängern zum letzten Mal einen Anflug von Euphorie beschert hat. Durch einen 3:1-Sieg gegen Bröndby Kopenhagen sicherte sich Hertha den Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Ein schöner Erfolg, für die Finanzen genauso wie für das Prestige des Vereins. Zehn Wochen später haben sich die Berliner in eine Situation gebracht, in der ihnen das Prestige aber so was von egal ist. Wenn Hertha am Donnerstag beim SC Heerenveen antritt, ist das allenfalls noch eine Pflichtaufgabe.

Der Tabellenletzte der Fußball- Bundesliga hat in dieser Woche zwei Endspiele zu bestreiten, aber es besteht kein Zweifel daran, welches von beiden das bedeutendere ist. „Die Bundesliga hat absolute Priorität“, sagt Herthas Manager Michael Preetz. Am Sonntag empfangen die Berliner den 1. FC Köln, einen Konkurrenten im Abstiegskampf. „Die Mannschaft ist gefragt zu gewinnen“, sagt Preetz. Die Kölner sind derzeit Fünfzehnter, liegen also genau auf dem Platz, der am Ende der Saison den Verbleib in der Liga garantieren würde. Fünf Punkte sind es, größer darf der Abstand nicht werden. „Gegen Köln spielen wir um Herthas Zukunft“, sagt Verteidiger Steve von Bergen.

Drei Tage zuvor aber spielt Hertha erst noch um das Überwintern im Europapokal. Verlieren die Berliner in Heerenveen, ist ihr Aus besiegelt, weil sie die Holländer dann in den noch ausstehenden beiden Spielen (gegen Ventspils und Lissabon) nicht mehr von Platz zwei verdrängen können. Dabei haben die in ihrer Liga ähnliche Probleme wie Hertha: Auch Heerenveen hat schon den Trainer ausgetauscht und hatte in elf Spielen sogar noch ein Tor weniger erzielt als Hertha (sechs). Am Wochenende aber konnte sich der holländische Pokalsieger im Abstiegskampf durch einen 3:0-Erfolg über Ado Den Haag ein bisschen Luft verschaffen.

Bei Hertha hat sich die Situation eher verschärft. Vor einer Woche noch hat Trainer Friedhelm Funkel jegliche Gedanken daran, die Europa League nicht mehr für voll zu nehmen, als abwegig bezeichnet. Schließlich habe die Mannschaft ein Jahr dafür gearbeitet, im Europapokal spielen zu dürfen. Angesichts der Lage in der Liga nach neun Niederlagen aus elf Spielen, nur vier Punkten und gerade sieben Toren haben sich die Prioritäten allerdings verschoben. Funkel plant offenbar, seine Stammspieler in Heerenveen für das Spiel gegen Köln zu schonen. Manager Preetz sagt: „Eine ausgeruhte Mannschaft wäre gegen Köln das A und O.“

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