Sport : Abstiegskampf zum Genießen

Klopp feiert sein 100. Bundesligaspiel mit Mainz

Daniel Meuren

Mainz - Zu den vielen Launen, die Jürgen Klopp im Fußball erlebt, gehört nun wohl auch diese: den Abstiegskampf einfach zu genießen. „Es gibt für uns keinen Grund, diese Aufgabe nicht mit Freude anzugehen“, sagt der Trainer des Bundesligaklubs Mainz 05 vor dem Spiel an diesem Samstag beim VfB Stuttgart. „Das ist wohl unsere letzte Chance, aber die Betonung liegt eben auf dem Wort Chance“, sagt er. Statistisch gesehen ist es ohnehin ein Festtag. Mainz 05 und Jürgen Klopp bestreiten in Stuttgart ihr 100. Bundesligaspiel.

Es gibt angenehmere Umstände zur Feier eines Jubiläums. Wenn nicht noch eine Sensation gelingt, werden die Mainzer am Ende der Saison die Bundesliga verlassen müssen. Den Abstieg vor Augen, wollen die Mainzer nun noch einmal feiern und gehen den scheinbar aussichtslosen Kampf frohgelaunt an, mit einem Sieg beim Tabellenzweiten die letzte Chance zu wahren. Mit seinem Spruch von den Freuden des Spiels und der Chance für Mainz charakterisiert Klopp in zwei Sätzen die gesamte drei Jahre alte Bundesligageschichte von Mainz 05 und seiner Person. Als bislang letzter Novize kamen die Mainzer 2004 ins Oberhaus, von vielen begrüßt als farbloser Neuling.

Drei Jahre später ist die Bundesliga eines Besseren belehrt, die Neulinge haben ihre Chance mit demonstrativer Freude genutzt. „Es wäre schade, wenn dieser Farbtupfer die Bundesliga verlassen müsste“, sagte kürzlich Klaus Allofs, Werder Bremens Sportdirektor. Den wohl größten Teil an der Arbeit für dieses erstaunliche Ansehen leistete Klopp. Der 39 Jahre alte Fußballlehrer verkörpert als einzig wirklicher Star wie kein anderer das Besondere des Mainzer Weges. „Ich bin stolz, Teil dieser Geschichte zu sein“, sagt Klopp. „Wir haben gemeinsam mit unseren Fans bewiesen, dass man nicht nur mit Arschtritten oder Pfiffen eine Mannschaft antreiben kann.“

99 Bundesligaspiele haben bisher wenige Trainerneulinge ohne Kündigung überstanden. In dieser Zeit hat Klopp quasi einen ganzen Verein entgegen branchenüblichem Vorgehen geführt. Während anderenorts interne Konflikte, Trainerentlassungen und Strafandrohungen üblich sind, haben sich die Mainzer nicht einmal durch die katastrophale Hinrunde erschüttern lassen. Kürzlich hat der ehemalige Kaiserslauterer Profi Roger Lutz, der im Rahmen seiner Trainerausbildung bei Klopp hospitierte, gesagt, dass er noch nie eine so brave Bundesligamannschaft erlebt habe. Klopp dürfte diese Worte als Lob empfinden, weil er auch nach sechs Jahren als Trainer und 17 Spielzeiten im Profigeschäft Idealist geblieben ist.

Weil Klopp auf diese Weise mit wenig Geld viel aufgebaut hat, scheint es unwahrscheinlich, dass er nach der Saison den Klub verlässt. Er dürfte auch bei einem Abstieg seinen bis Juni 2008 datierten Vertrag ernst nehmen. Womöglich strebt Klopp danach an, auch zu Beginn der übernächsten Saison von Mainz 05 auf der Trainerbank zu sitzen. Es wäre sein 103. Bundesligaspiel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben