Sport : Abstiegsplatz oder Bundesliga-Mittelfeld

Michael Rosentritt

Am Sonnabend wollen die Berliner den 1. FC Kaiserslautern niederkämpfen, dann folgen englische Wochen bis WeihnachtenMichael Rosentritt

Dieter Hoeneß bringt den Sommer in die Stadt. Das ist ein hübsches, wenn auch nicht in allen Facetten zutreffendes Bild. Natürlich hat auch der Manager von Hertha BSC nicht den Sonnenschein in der Tasche. Dafür aber sehr viel Geld. In der Champions League gewonnennes Geld. Viele Millionen. Die haben ihn dazu angehalten, sich für ein paar Tage in sonnigen Gefilden aufzuhalten, um in Südamerika nach der einen oder anderen personellen Verstärkung Ausschau zu halten. Denn die hält nicht nur der angebräunte Hoeneß für seine in der Bundesliga blasse Mannschaft für unabdingbar.

"Irgendwie fühlt man sich an die Sommerpause erinnert", sagt Hoeneß. Das liegt auch daran, dass am Sonnabend, wenn der 1. FC Kaiserslautern ins Berliner Olympiastadion kommt, vierzehn Tage vergangen sind, seit dem letzten Spiel von Hertha BSC, dem 0:4 bei Eintracht Frankfurt. Jetzt folgt für den Berliner Bundesligisten bis Weihnachten ein voll gestopftes Programm mit einem Spielrythmus, den Insider "englische Wochen" nennen. Mit diesem Rhythmus von drei Spielen innerhalb von sieben Tagen haben die Berliner nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht. Was wiederum daran lag, dass man zwischen Mailand und London nicht auch noch in Unterhaching gut spielen kann.

Die Mannschaft von Jürgen Röber steht zwar in der Zwischenrunde der Champions League und empfängt am kommenden Dienstag den FC Barcelona. Doch Rang 13 in der Bundesliga-Tabelle weist auf einen Prioritätenwechsel in den Köpfen der Spieler hin, den es zu begradigen gilt. "Das Spiel gegen Kaiserslautern hat absoluten Vorrang", sagt Hoeneß. "Ich möchte gar nicht erst in die Gefahr kommen, über das nächste Spiel zu sprechen." Damit meint der Manager nicht etwa das Spiel gegen Kaiserslautern, sondern das große gegen Barcelona.

Sorgfälig vermeidet es Hoeneß, den Namen des Spanischen Meisters in den Mund zu nehmen. Damit gibt er die Richtung der kommenden Tage vor. Man könnte auch von Verdrängen sprechen. Hertha BSC möchte nicht mehr, zumindest aber nicht jetzt, schon wieder und nur noch über die Höhepunkte in der Champions League sprechen. Zu sehr haben die Erfolge den Fans und wohl auch dem einen oder anderen Spieler den Kopf verdreht, zumindest aber abgelenkt von dem als notwendigem Übel empfundenen Bundesliga-Alltag.

Also spricht Hoeneß über die Bedeutung des Spiels gegen Kaiserslautern. "Nach der Niederlage in Frankfurt steht außer Frage, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen." Kein ironischer Unterton. Der Manager meint es ernst. "Die Pause hat uns ganz gut getan", sagt Hoeneß und fügt noch an: "Allen Beteiligten." Es habe endlich die Gelegenheit bestanden, "mal wieder struktuell und analytisch zu arbeiten und Dinge zu klären", für die zuletzt nur die berühmte Tür und der dazugehörige Angel übrig blieb.

Auch Trainer Jürgen Röber sagt, "dass wir jetzt nicht wieder zu träumen anfangen dürfen", und umschifft das Spiel gegen Barcelona. In diesem Zusammenhang fällt auch das Wort "Neuanfang", und Röber erinnert sich an damals. "Als wir noch in der Zweiten Liga gegen Kaiserslautern gespielt haben, da waren die auch besser besetzt. Aber wir haben sie niedergekämpft." So in etwa stellt Röber sich das auch für Sonnabend vor.

Die Mannschaft habe vor allem im regenerativen Bereich gearbeitet. "Barcelona interessiert jetzt nicht, das weiß jetzt auch jeder in der Mannschaft", sagt Röber. "Nach oben sind es nur fünf Punkte", sagt Röber, "aber nach unten ist es noch enger."

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