Sport : Absturz am Neuen Markt

Die HSV-Handballer bereiten weiterhin Sorgen

Erik Eggers[Hamburg]

Die ARD reagierte am schnellsten. In ihrem Videotext fiel der HSV Handball, tagsüber noch auf Platz drei, am Mittwochabend ruckartig auf Platz acht der Bundesliga-Tabelle. Zwischendurch hatte der achtköpfige Vorstand der Handball-Bundesliga (HBL) den HSV wegen zahlreicher Lizenzverstöße mit acht Punkten Abzug und 15 000 Euro Geldbuße bestraft. Derzeit prüft der HSV Handball juristische Schritte gegen das Urteil. „Wir überlegen ernsthaft, Berufung einzulegen und alle Mittel auszuschöpfen, um den Punktabzug zu verhindern“, sagte Manager Dierk Schmäschke.

Glücklich war auch HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann mit der ganzen Angelegenheit nicht. Bohmann rät dem HSV: „Der Verein braucht endlich eine Strategie des vorsichtigen Kaufmannes, nicht die des Neuen Marktes.“ Wie die „Bild-Zeitung“ am Donnerstag berichtete, sollen dem HSV Handball insgesamt 3,5 Millionen Euro fehlen, um wirtschaftlich überleben zu können.

Zustimmung findet das Urteil der HBL bei der Bundesliga-Konkurrenz des HSV. „Mit einer Lex Hamburg hätte die Liga den letzten Funken Glaubwürdigkeit verloren“, sagte Rainer Dotzauer, Manager der HSG Wetzlar. Der HSV hatte der HBL vorgeschlagen, während der Saison den wirtschaftlichen Mehrheitsgesellschafter des Klubs, die mit 2,3 Millionen verschuldete Omni Sport, wechseln zu dürfen. Die HBL hatte das rigoros als nicht statutenkonform abgelehnt, weil sonst das Lizenzverfahren ad absurdum geführt worden wäre.

Klaus Schorn, Manager von Tusem Essen, sprach von einer „vertretbaren Entscheidung“ und sieht das Urteil gegen die Hamburger als einen Hinweis „an alle, sich im Lizenzverfahren noch mehr Mühe zu geben“. Für Georg Ballmann vom TV Großwallstadt kommt die Bestrafung zu spät. „Eigentlich hätte die Sanktion schon im Sommer stattfinden müssen“, sagte er. Dem Vorschlag eines HBL-Vertreters, nach einer Insolvenz einen wirtschaftlichen Neuanfang in der Zweiten Liga zu wagen, wollte der HSV in Hannover nicht folgen. Auch ein von der HBL vorgeschlagenes Vergleichsverfahren will der HSV vermeiden.

Offenbar will der Klub jetzt versuchen, die laufende Saison ohne Insolvenz zu überstehen, um dann mit einem neuen wirtschaftlichen Träger die Lizenz für die Saison 2005/06 zu beantragen. Die Omni Sport müsste dafür bis zum 2. Juli weiter existieren. Die Gefahr dabei: Wäre der Klub beispielsweise im Juni insolvent, müssten rückwirkend alle Spiele des HSV aus der Wertung genommen werden und die Tabelle würde womöglich nachträglich verändert. Dann drohen Zivilprozesse, weil sich die wirtschaftliche Zukunft einiger Vereine im Nachhinein erheblich verändern würde.

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