Sport : Absturz auf der Husterhöhe

Nach Elfmeterschießen verliert Champions-League-Teilnehmer Bremen im Pokal bei Drittligist Pirmasens

Frank Hellmann[Pirmasens]

Als Miguel Carvalho den finalen Elfmeter vehement in die Maschen setzte, gab es im Sportpark Husterhöhe kein Halten mehr: Ganz Pirmasens schien sich in dem putzigen Stadion, mit 10 000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt, in diesem Moment in den Armen zu liegen. Reiner Schwartz, der Torwart und zweite Held dieses Pokalnachmittags, hatte derweil mit triumphierender Geste den Zaun erklommen. Gerade hatte der FK Pirmasens, just in die Regionalliga aufgestiegen, den haushohen Favoriten Werder Bremen mit 5:3 nach Elfmeterschießen in der ersten DFB-Pokalrunde besiegt. 1:1 hatte es nach 90 Minuten und auch nach zweimal 15 Minuten Verlängerung gestanden.

„Jetzt haben wir uns in der nächsten Runde Bayern München verdient“, sagte Carvalho, 23 Jahre jung und im gewöhnlichen Leben Bürokaufmann. „Elfmeterschießen liegt mir einfach: Ich habe im ganzen Leben noch keines verloren“, sagte Schwartz, ebenfalls 23 Jahre alt und in Helterberg als Gas- und Wasserinstallateur angestellt. Nur in den Pokalspielen kommt der frühere Amateurtorwart des 1. FC Kaiserslautern zum Einsatz, „das ist der Höhepunkt meiner Karriere“. Ähnliche Worte waren von FKP-Trainer Robert Jung zu vernehmen. Der 61-Jährige gilt als Urgestein des Traditionsklubs, der 1975 beinahe in die Bundesliga aufgestiegen und 1976 im Pokal beinahe die Bayern geschlagen hätte. Eine Zeit, in der Jung das Trikot des FK Pirmasens trug. „Dieser Tag wird für mich immer unvergessen bleiben“, sagte Jung, der für die Sensation eine einfache Erklärung hatte. „Werder hat es zu sehr spielerisch versucht. Und sie haben unsere körperliche Verfassung unterschätzt.“

In der Tat offenbarte der Drittligist erstaunliche physische Fähigkeiten, die nicht allzu sehr überraschen, betrachtet man Jungs Vita. Eine Diplomarbeit in Sachen Trainingslehre über Ermüdungswiderstandsfähigkeit hat der Fußballlehrer verfasst, seine Vorbereitung ist in der ganzen Pfalz gefürchtet. Und doch wäre die Sensation nicht möglich gewesen, hätte Werder nicht elementare Dinge des Fußballs vernachlässigt. Fahrig und fehlerhaft agierte der Vizemeister, der nach dem Kopfballtor von Sebastian Reich überhaupt glücklich war, dass Ivan Klasnic die Bremer in die Verlängerung rettete. Die Elfmeter-Fahrkarten von Klasnic, Hugo Almeida besiegelten schließlich den Pokal- K.o. „So eine Mannschaft muss man einfach schlagen“, mäkelte Werders Sportdirektor Klaus Allofs. „das ist eine Blamage.“ Man habe zwar nur eine Pokal-Runde im Etat einkalkuliert, „aber so ein Ausscheiden ist sehr ärgerlich.“ Trainer Thomas Schaaf kritisierte die für die verletzten Frings und Borowski ins Team gekommenen Nachrücker wie Patrick Owmoyela: „Das reicht nicht, um erste Wahl zu sein.“ Für das Gastspiel am Dienstag zum Champions-League-Auftakt beim FC Chelsea kündigt Schaaf „eine knallharte Analyse“ an. Das allein wird nicht reichen: Wer den völlig entkräfteten Nationalstürmer Klose beobachtete, der wegen Oberschenkelproblemen in der Verlängerung nur noch Standfußball zu spielen vermochte und jedem Zweikampf aus dem Wege ging, dem erschließt sich derzeit nicht, wie Werder in zwei Tagen an der Stamford Bridge bestehen will.

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