Sport : Abwärtslogik des Betrugs

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Zurzeit wirbt ein Radsportzubehörhersteller auf dem Fernsehsender Eurosport mit Alberto Contadors Gesicht. Das ist insofern sinnvoll, wenn man in dem spanischen Radprofi den Tour-de-France-Sieger des Jahres 2009 und den Favoriten für 2010 sieht. Es ist aber betriebswirtschaftlicher Unfug, wenn man in ihm denjenigen erkennt, dem die Blutbeutel mit den Kürzeln „A.C.“ gehört haben, die bei dem Dopingarzt Eufemiano Fuentes lagerten. In Deutschland neigt man zur zweiten Sichtweise – und liegt damit völlig richtig.

Gerade hat diese vor allem in Deutschland vorherrschende kritische Sichtweise den Konzern Nordmilch bewogen, sich aus dem Sponsoring im Radsport zurückzuziehen. Damit wird das Milram-Radteam in der kommenden Saison keinen Geldgeber mehr haben. Bei der Tour de France im nächsten Jahr wird, wenn nicht noch ein Wunder passiert, erstmals seit Jahrzehnten kein deutsches Radteam vertreten sein. Das ist der Tiefpunkt des Profi-Radsports in Deutschland, doch das musste auch so kommen.

Dopingskandale bringen Negativberichterstattung bringen Sponsorenausstiege – diese Abwärtslogik muss funktionieren. Damit auch der letzte dopende Profi und das letzte Radteam mit angeschlossenem Dopingsystem merken, dass ihr Betrug den Sport kaputt macht.

Ungerecht ist nur, dass die Doper und ihre Hintermänner nicht mehr zu spüren bekommen, was sie angerichtet haben. Weil sie entweder gesperrt sind oder ihre Karriere beendet haben. Dafür müssen es jene Nachwuchsfahrer ausbaden, die sich trotz schwieriger Zeiten entschlossen haben, den Radsport zu ihrem Beruf zu machen. Ihnen fehlt künftig ein heimischer Radrennstall, in dem sie an die Weltspitze herangeführt werden können. Sie sollten ein Recht haben, die ältere Generation auf Schadenersatz zu verklagen. Falls sie selber sauber bleiben.

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