Sport : Abwehr beginnt vorn

Das 1:2 gegen Mainz offenbart nicht nur Schwächen in Herthas Hintermannschaft

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Nein, eine Party werde er ganz sicher nicht veranstalten. „Es gibt leider nichts zu feiern, ich habe keine Lust“, sagte Josip Simunic gestern Morgen, an seinem 29. Geburtstag, einen Tag nach dem 1:2 gegen den FSV Mainz 05. Ein verlorenes Spiel in der Bundesliga, eigentlich ist das für einen Profifußballer kein Grund, sich selbst die Geburtstagsfete zu verwehren. Das verlorene Heimspiel gegen Mainz aber ist mehr als eine gewöhnliche Niederlage für die Berliner. Es brachte Schwächen ans Licht, die Hertha bislang in dieser Spielzeit hatte verdecken können. Oder andersherum: Vermeintliche Stärken blieben unter Tage. „Wir können uns nicht immer auf das Glück verlassen“, sagte Pal Dardai, gegen Mainz Torschütze zum 1:0. Der Mittelfeldspieler sieht die gute Heimbilanz kritisch. Hertha war vor der Partie gegen Mainz im Olympiastadion ungeschlagen – überzeugt hatten die Berliner allerdings selten. „Nur gegen Schalke haben wir kurzzeitig guten Fußball gespielt“, sagte Dardai.

Der Erfolg in den Heimspielen fuße neben Glück auf Laufbereitschaft und Kampfeswillen, glaubt nicht nur Dardai. Von diesen Tugenden war gegen Mainz kaum etwas zu sehen. Eben diese wird Hertha brauchen, um in den Auswärtsspielen beim VfB Stuttgart, in der Bundesliga und anschließend im DFB-Pokal, bestehen zu können. Im nächsten Heimspiel sind die Bayern zu Gast. Bisher hatte sich Hertha mit Auswärtsniederlagen unter den Druck gesetzt, die Heimspiele gewinnen zu müssen. Jetzt ist es umgekehrt.

Erstaunlich ist momentan die schwache Defensive. Mit Fiedler im Tor und Fathi, van Burik, Simunic und Friedrich in der Abwehr stand gegen Mainz dieselbe Hintermannschaft auf dem Platz wie vor zwei Jahren, als Hertha mit nur 31 Gegentoren die beste Verteidigung der Liga stellte. Jetzt, am 22. Spieltag, sind es schon 35. „Hinten ist eigentlich die Basis“, sagt Trainer Falko Götz. Eigentlich. Götz kritisierte Malik Fathi zum wiederholten Male, der „gestern mit Konzentrationsfehlern gespielt hat“. Fathi hätte gegen Mainz Pausen eingelegt, in denen er die Spannung verlor. Der 23-Jährige selbst will sich schon seit Wochen nicht äußern, er steckt in einem Formtief.

Eine Begründung für die vielen Gegentreffer liegt in den Krisen einzelner –Torwart Christian Fiedler schwächelte in der Hinrunde, ebenso wie Josip Simunic. Jetzt ist es Fathi, der vor dem 1:2 gegen Mainz nicht energisch genug zum Ball ging. Allein in der letzten Reihe aber liegt das Übel nicht. Am Samstag ließ sich vor allem das Mittelfeld zu weit nach hinten drängen, die Abwehrspieler mussten deshalb häufig nah am eigenen Strafraum verteidigen – dort ist ein Fehler nur schwierig wieder gutzumachen. „Das Defensivverhalten der ganzen Mannschaft muss besser werden“, verlangt Götz.

Der Ausfall von Yildiray Bastürk bringe laut Götz ebenfalls Komplikationen für die Hintermannschaft mit sich. „Wenn Yildiray auf dem Platz steht, dann bindet er zwei Mann im Mittelfeld. Diese überlegen sich dann bei einem Angriff erstmal genau, ob sie Yildiray allein stehen lassen und mit nach vorne gehen.“ Bastürk absolvierte in dieser Saison nur neun Bundesligaspiele von Beginn an. In Stuttgart und gegen die Bayern wird Herthas Antreiber wegen seiner Knieverletzung ebenfalls fehlen.

Die Botschaft, die von dem Spiel gegen Mainz ausgeht, ist wahrscheinlich simpel: Nur mit etwas Glück wird Hertha in diesem Jahr den fünften Tabellenplatz erobern können. Ohne außergewöhnliche Umstände schafften die Berliner das in den vergangenen Jahren – der Kader war da allerdings breiter. In dieser Spielzeit fehlen den Berlinern hinter der ersten Elf die Alternativen. Wenn Spieler wie Bastürk und Kevin-Prince Boateng ausfallen und Ashkan Dejagah strafversetzt wird (siehe Kasten), bleiben wenig Möglichkeiten. „Hinten raus haben wir nur junge oder unerfahrene Spieler“, sagt Götz.

Eben deshalb hatten die Berliner vor der Saison kein konkretes Ziel ausgegeben. In der Winterpause ließ Trainer Götz sich zu einem Bekenntnis hinreißen, Platz fünf verteidigen zu wollen. Manager Dieter Hoeneß tat das nicht. „Warum sollte ich das?“, fragte er nach der Niederlage gegen Mainz.

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