Abwehrsorgen bei Hertha : Ersetzt Hosogai den verletzten Langkamp?

Gegen Augsburg rückte Hajime Hosogai nach 20 Minuten vom Mittelfeld in die Innenverteidigung. Weil Sebastian Langkamp länger ausfällt, könnte das für zur Dauerlösung bei Hertha werden.

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Hosogai fand sich auch in seiner ungewohnten Rolle schnell zurecht.
Hosogai fand sich auch in seiner ungewohnten Rolle schnell zurecht.Foto: Imago

In der vergangenen Woche hat es Hajime Hosogai mit seiner Anpassungsfähigkeit ein wenig übertrieben. Der Japaner kam vom Trainingsplatz auf dem Olympiagelände und grüßte die Wartenden mit einem saftigen „Servus“. Vielleicht wollte es Hosogai besonders deutsch machen, aber Servus ist in Berlin und ähnlich nördlichen Gefilden nicht gerade die geläufige Grußformel.

Auf dem Fußballplatz liegt der 27-Jährige hingegen selten daneben. Das hat er am Wochenende wieder gezeigt, als er mit Hertha BSC gegen seinen früheren Verein FC Augsburg nach zwanzig Minuten in eine ungewohnte Rolle schlüpfen musste. Sebastian Langkamp meldete sich mit Problemen im linken Oberschenkel ab, Hosogai rückte aus dem defensiven Mittelfeld eine Linie zurück in die Innenverteidigung. Eine überraschende Entscheidung von Trainer Jos Luhukay. Der Japaner, nur 1,77 Meter groß und von eher zierlicher Figur, entspricht nicht unbedingt dem Idealbild eines Abwehrspielers; trotzdem hegte Luhukay nicht den geringsten Zweifel, dass Hajime Hosogai die Aufgabe zu allgemeiner Zufriedenheit erfüllen werde: „Er kann das, er ist ein flexibler Spieler.“

Mit Hosogai als Innenverteidiger hat sich für Luhukay am Wochenende eine personelle Möglichkeit aufgetan, die vorher niemand auf der Rechnung hatte – auf die Herthas Trainer aber künftig noch häufiger zurückgreifen könnte. Eine MRT-Untersuchung hat am Montag die Gewissheit erbracht, dass Sebastian Langkamp bis zum Ende der Hinrunde ausfällt. Wie vermutet handelt es sich bei seiner Verletzung um einen Muskelfaserriss im Oberschenkel. Wenn es gut läuft, wird John Anthony Brooks, der am Sonntag ins Lauftraining zurückgekehrt ist, rechtzeitig für das Spiel in Braunschweig am Sonntag wieder fit. Als Ersatz für Langkamp kämen auch Christoph Janker und Maik Franz infrage. Zumindest theoretisch. In der Praxis spielt gerade Franz bei Luhukay längst keine Rolle mehr.

Hosogais Rückversetzung gegen Augsburg war "aus der Not geboren"

Bleibt die Aufgabe am Ende also doch an Hajime Hosogai hängen? Luhukays bevorzugte Lösung ist das wohl nicht. Hosogais Rückversetzung gegen Augsburg bezeichnete Herthas Trainer als „aus der Not geboren“, weil am Samstag kein einziger gelernter Innenverteidiger auf der Ersatzbank saß. Brooks fehlte verletzt, die Routiniers Franz (Magen-Darm-Probleme) und Janker standen ebenfalls nicht im Kader. Die einzige andere Möglichkeit wäre gewesen, den für Langkamp eingewechselten Peter Niemeyer in die Abwehr zu versetzen und Hosogai auf seiner angestammten Position zu belassen. Aber weil Niemeyer zuletzt nur wenig gespielt hatte, wollte Luhukay ihm nicht auch noch eine ungewohnte Umgebung zumuten.

Zudem weiß Herthas Trainer, dass er mit Hosogai wenig falsch macht. „Für mich war er der überragende Mann“, sagte er nach dem 0:0 gegen Augsburg. Der Japaner verfügt über eine ausreichende Spielintelligenz, um sich auch in ungewohnter Rolle schnell zurechtzufinden. In Leverkusen hat er in der vergangenen Saison als linker Außenverteidiger ausgeholfen, gegen Augsburg spielte er nun in der Zentrale. Hosogai sagte hinterher, er habe versucht, „möglichst wenig Fehler zu machen“. Das gelang ihm auf beeindruckende Weise. Obwohl er nie zuvor in der Innenverteidigung gespielt hatte, strahlte Hosogai in der Abwehr eine große Ruhe aus. Er wirkte sehr präsent und stand meistens richtig.

„Er hat eine super Mentalität, einen super Charakter“, sagte Herthas Kapitän Fabian Lustenberger über seinen neuen Partner in der Viererkette. „Er tut alles, um der Mannschaft zu helfen.“ Egal auf welcher Position. Trotzdem ist es paradox, dass Lustenberger und Hosogai am Samstag ab der zwanzigsten Minute Herthas Innenverteidigung bildeten. „Sie haben es fantastisch gemacht“, sagte Luhukay über sein „kleines Duo“. Immerhin kennen sich beide gut. Sie haben schon am Saisonbeginn Seite an Seite gespielt – im defensiven Mittelfeld.

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