Sport : AC Florenz: Finito für die Fiorentina

Friedhelm Gröteke

Heute um 11 Uhr wartet Konkursrichter Sebastiano Puliga auf den gesamten Verwaltungsrat des glorreichen Fußballvereins AC Florenz. Falls die Manager nicht handfeste Dokumente dafür vorlegen, dass sie wenigstens 135 Millionen Mark von ihrem in Wirklichkeit weit mehr als doppelt so hohen Schuldenberg abtragen können, ist es aus. Dann wird die Fiorentina für pleite erklärt. Und die violette Mannschaft, die eben erst die Coppa Italia gewonnen hat, könnte demnächst nicht mehr in der Serie A antreten.

Die Fiorentina und ihr Besitzer Vittorio Cecchi Gori haben nur eine Möglichkeit, den Gang zum Konkursgericht zu vermeiden: Fiorentinas wichtigste Spieler, Francesco Toldo und Rui Costa, müssen an andere Vereine transferiert werden. Der AC Parma, jenseits des Appenin, würde sowohl den Torwart wie den Spielführer gerne übernehmen, aber beide Spieler bocken. Sie wollen nicht in die Schinkenstadt. Aber "ohne eigenhändige Unterschrift der Spieler gelten die Kontrakte nicht", wies der Konkursrichter auf die besonderen Regularien hin. Und so wird kreuz und quer durch Italien und Südeuropa um Spitzenspieler für die nächste Saison geschachert. Das geht so: Wenn Toldo nicht zu Parma will, kann Parma schlecht den an Juventus versprochenen Torwart Buffon hergeben, der angeblich 100 Millionen Mark einbringen soll. Gestern hieß es jedoch, dass das Geschäft mit Buffon zwischen Parma und Juventus perfekt sein soll. Parma hat außerdem bereits den Abwehrspieler Lilian Thuram für 80 Millionen Mark an Juventus Turin verkauft, hat das Geld für Tormann Toldo aus Florenz also schon in der Tasche. Und wird eventuell weitere Millionen von Borussia Dortmund kassieren. Dortmund bietet für Parmas Brasilianer Amoroso den eigenen Brasilianer Evanilson und einen zweistelligen Millionenbetrag.

Doch die Fiorentina-Manager zittern nicht nur vor dem heutigen Finale beim Konkursrichter, sondern auch vor anderen wichtigen Terminen. Am 12. Juli müssen Italiens Erstliga-Vereine die Karten offen legen: Wer für die nächste Saison zugelassen werden will, muss nachweisen, dass die Einnahmen der letzten Saison mindestens dreimal so hoch waren wie die Schulden. Selbst wenn der Klub den Konkurs vermeidet, fällt dieser Nachweis schwer. Schon öffnet sich ein neues 30-Millionen-Mark-Loch, weil Sponsoren von ihren Versprechungen zurückgetreten sind. So wie immer, wenn der Absturz erst einmal begonnen hat. Florenz ist freilich nicht der einzige italienische Klub mit argen Finanzproblemen. "Mindestens sechs Vereine leben weit über ihre Verhältnisse. So schlimm ist es sonst nirgendwo auf der Welt", poltert der Präsident des italienischen Erstligaverbandes, Franco Carraro. Mit Ravenna ging bisher nur ein Klub Pleite. Für die anderen fand sich immer noch in letzter Sekunde ein Retter - in der Hoffnung auf große Werbemöglichkeiten. Auch für Florenz soll sich jetzt eine ausländische Bank interessieren.

Vittorio Cecchi Gori, Präsident und Eigentümer der Fiorentina Calcio SpA, ist derzeit nicht einmal für Geschäftsfreunde erreichbar. Auch der Bürgermeister von Florenz wartet vergeblich auf eine erläuternde Stellungnahme. "Er muss der Stadt erklären, was er vorhat", fordert Leonardo Domenici.

Cecchi Gori, so berichten seine Mitarbeiter und Konkurrenten, hat seit jeher Probleme mit kompetenten Leuten an seiner Seite. Auch Ehefrau Rita lief ihm vor zwei Jahren weg, jetzt verlangt sie genau die Hälfte des Vermögens. Solange sie in Cecchi Goris Firmenimperium mitmischte, liefen wenigstens das Geschäft mit Filmproduktion und -vertrieb sowie die Videoabteilung gut. Das war auch nötig, um die steten Verlustwellen beim Fernsehsender Montecarlo und bei einer Luxusartikeltochter zu glätten. Inzwischen haben die Schulden Cecchi Gori fast erdrückt. Was beim Verkauf vom Fernsehsender Telemontecarlo an Seat-Telecom Italia hereinkam, ging gleich an die Banken weiter. In der vorigen Legislaturperiode saß Cecchi Gori zudem als Vertreter der Linken im Senat. Jetzt wurde er abgewählt. Keine Unterstützung in der Politik, keine im Fußball: Der Präsident ist derzeit ein einsamer Mann.

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