AC Mailand fordert Titelverteidiger : In Barcelona gilt nur ein Gesetz: Messi

An Lionel Messi scheiterte einst der Schwede Zlatan Ibrahimovic beim FC Barcelona. An diesem Dienstag kehrt er mit dem AC Mailand im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zurück.

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Star in der Manege. Zlatan Ibrahimovic (Mitte) darf beim AC Mailand wieder die Nummer eins im Angriff sein. In Barcelona musste er sich hinter Lionel Messi anstellen.
Star in der Manege. Zlatan Ibrahimovic (Mitte) darf beim AC Mailand wieder die Nummer eins im Angriff sein. In Barcelona musste er...Foto: AFP

Berlin - In Barcelona, beim städtischen Fútbol Club, gibt es ein Gesetz. Es regelt das Zusammenspiel unter den Fußballern. Ziel ist, einen von ihnen in das bestmögliche Licht zu rücken. Der eine, dass ist Lionel Messi; dreifacher Weltfußballer, Halter diverser Torrekorde. Die anderen um ihn herum stellen das Gerüst im Spiel des FC Barcelona. Messi aber ist der Punkt auf dem i, der Finalisator aller Passstafetten. Ohne den kleinen Argentinier, das gilt als sicher, hätte das Team nicht 13 von 16 möglichen Titeln in den vergangenen vier Jahren geholt. Folglich ist das Gesetz simpel, es besagt: Wer nicht mit Messi harmoniert, wer nicht bereit ist, für ihn zu arbeiten, muss gehen.

Schmerzlich erfahren hat das Zlatan Ibrahimovic. Vor drei Jahren war der Schwede von Inter Mailand zum FC Barcelona gewechselt, der Transfer belief sich auf ein Volumen von über 90 Millionen Euro. Als Ibrahimovic in Barcelona ankam, bezeichnete er sich als den „glücklichsten Menschen der Welt“. Ein Jahr später war vom einstigen Glück nicht mehr viel übrig. Tief beleidigt und gekränkt, weil er Messi zuarbeiten sollte, flüchtete er zurück nach Mailand. Dieses Mal zum AC. Mit den Italienern reist Ibrahimovic an diesem Dienstag zum FC Barcelona (20.45 Uhr, live im Ticker bei Tagesspiegel.de). Es geht um den Einzug ins Halbfinale der Champions League. „Das wichtigste Spiel des Jahres“, sagt Barcelonas Trainer Josep Guardiola. Nach dem 0:0 aus der Vorwoche steht sein Team unter Druck. Der Titelverteidiger muss das Spiel gewinnen, ein Unentschieden mit Toren würde Mailand eine Runde weiter bringen. So will es die Europapokal-Arithmetik. Und Ibrahimovic ist immer für einen Treffer gut. Die Torjägerliste der italienischen Serie A führt er mit 22 Saisontoren an, in der Champions League traf er fünf Mal.

Guardiola weiß um Ibrahimovics Torgefahr. Er gilt in der Öffentlichkeit als Hauptgrund für den vorzeitigen Abgang des Schweden. Beide wurden nie miteinander warm. An seinem ersten Arbeitstag fuhr Ibrahimovic im Ferrari auf dem Trainingsgelände vor, dabei hatte Guardiola seinen Spielern Bescheidenheit in Form von Kleinwagen verordnet. Dem Trainer war das egozentrische Gemüt des Spielers schnell zuwider, Ibrahimovic konnte Guardiolas Eingriffe in Belange der Spieler nicht verstehen. Letztendlich war es aber nicht Guardiola, über den Ibrahimovic in Barcelona stolperte, sondern Lionel Messi. Weil der sich weigerte, von der Angriffsmitte auf die Außenbahnen zu weichen, musste Ibrahimovic die von ihm ungeliebte Position als Flügelstürmer besetzen. Für den technisch starken, aber langsamen 1,95 Meter großen Koloss kam die Versetzung aus seinem geliebten Zentrum einer Degradierung gleich. Und da versteht Ibrahimovic keinen Spaß. Schon vor dem Hinspiel hatte er in Richtung des ungeliebten Ex-Kollegen gestichelt. „Barça ist mehr als nur Messi, wir müssen das ganze Team ausschalten.“ Nach dem Schlusspfiff reichten sich beide die Hände, herzlich ging es aber nicht zu.

Ibrahimovic ist nicht der einzige Weltklassestürmer, der unter Messis fußballerischer Diktatur zu leiden hatte. Vor ihm musste Samuel Eto’o gehen, weil der sich mehr als Mittelstürmer denn als Flügelbesetzung gesehen hatte. Thierry Henry fügte sich still in sein Schicksal – er wollte im Herbst seiner Karriere nur noch die Champions League gewinnen. David Villa, Spaniens Weltmeister, ließ vor seinem Beinbruch im Dezember dagegen schon latenten Unmut über die Zuarbeiterrolle anklingen.

Richtig laut protestiert hat aber nur Ibrahimovic. Für ihn ist es heute das erste Mal, dass er seit seinem Abschied 2010 wieder ins Camp Nou zurückkehrt. Beim 2:2 in der Gruppenphase war er verletzt, es wird spannend zu sehen sein, wie ihn die Zuschauer empfangen. Bei den Fans war er beliebt, sein Tor zum 1:0-Sieg im Clásico gegen Real Madrid 2009 zählt zu den wichtigeren der Klubhistorie. In der Mannschaft hat er noch Freunde. Vor einer Woche überreichte Ibrahimovic seinem ehemaligen Kollegen Seydou Keita ein signiertes Trikot für Eric Abidal. Der Franzose konnte nicht spielen, er wird auch heute im Rückspiel nicht dabei sein. Abidal hat Krebs. Er bekommt eine Spenderleber. In den kommenden Tagen soll die Transplantation stattfinden.

Bei Barcelona werden heute im Angriff neben Messi wohl Alexis Sanchez und Pedro auflaufen. Oder Cesc Fabregas. Sie alle akzeptieren sein Gesetz. Noch.

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