Sport : Ach, Bulgarien!

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Detlef Dresslein über Merkwürdiges aus dem Land des Testspiel-Gegners

So richtig erwärmen konnten wir uns hierzulande irgendwie nie für den bulgarischen Fußball. Man erinnert sich an Spieler wie Trifon Iwanow, der privat ein netter Kerl sein mag, aber auf Fotos im Panini-Sammelalbum immer so dreinblickte, dass der kleine Bruder wochenlang Alpträume hatte. Oder der Torwart Boris Michailow, der in den Kicker-WM-Sonderheften von 86 bis 94 mit immer weniger Haaren aufwartete und dann zur WM 1994 schließlich mit einer wollenen Schlagersängervollfrisur auftauchte. Ein Toupet hatte er sich knüpfen lassen. Das sah ziemlich peinlich aus. Schließlich Krassimir Balakow. Von dem Stuttgarter ist ja nun seit Jahren bekannt, dass er viel zu viel verdient und viel zu wenig läuft.

Na ja, all das wäre ja alles gar nicht so schlimm, hätten nicht ebendiese Bulgaren uns aus der WM 1994 befördert. Denn danach begann der Niedergang des deutschen Fußballs. Die Bulgaren sind schuld an allem. An Erich Ribbeck, am Comeback von Lothar Matthäus. An allem.

Seitdem ist man bei uns auf den bulgarischen Fußball nicht gut zu sprechen. Und jetzt kommen die einst so sinistren Dreitagebärte vom Balkan auf einmal sympathisch daher. Torwart Sdrawkow bekennt sich zum Haarausfall und rasiert sich den Schädel zur Vollglatze. Mit dem Leverkusener Schwiegersohntypen Dimitar Berbatow würde man sogar die kleine Schwester ausgehen lassen.

Deshalb nehmen wir in diesen Tagen auch gern Anteil an den Sorgen der Bulgaren – und schon sind wir wieder irritiert. Da ist es noch das geringste Problem, dass der Vizeweltmeister kommt und das Stadion noch nicht einmal ausverkauft ist. Die Arena ist nun einmal die Heimspielstätte von Levski Sofia; und alle, die nicht Fans dieses Klubs sind, weigern sich, diesen Ort zu betreten. So was soll es in Deutschland ja auch geben.

Schwerer wiegt schon die Beschwerde der großen Tageszeitung „24 Tschassa". Ihren und anderen Schreibern gefällt es nicht, dass der bulgarische Trainer drei gebürtige Jugoslawen ins Nationalteam berief. Die Eingebürgerten seien doch gar keine richtigen Bulgaren, hieß es. Der Trainer solle doch bitte schön auf echte Landsleute zurückgreifen. So was gibt es in Deutschland nicht mehr. Zum Glück.

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