Sport : Ach, Leipzig!

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Robert Ide über den unendlichen Streit um die deutsche OlympiaBewerbung

Es hört nicht mehr auf: jeden Tag eine neue Nachricht aus Leipzig, jeden Tag eine schlechte. Diesmal geht es nicht um fehlende Hotels, fehlende Sponsoren, fehlende Sportstätten oder das fehlende Logo. Auch nicht um Eifersüchteleien von Sportfunktionären oder die Stasi-Vita von Repräsentanten der Bewerbung für Olympia 2012. Nein, es geht um Schlimmeres: um Ost und West.

Es gibt einen neuen Streit. Er könnte Leipzig die letzte Reputation kosten. Der Streit geht so: Die Wessis wollen uns unsere Bewerbung wegnehmen, sagen die Leipziger. Die Ossis bunkern sich ein und machen eine nationale Chance kaputt, sagen die Wessis.

Bisher gab es diesen Streit nur hinter vorgehaltener Hand. Am Donnerstag wurde er öffentlich. Zuerst meldete sich Hermann Winkler, Chef des sächsischen Sportbundes, zu Wort. Er sprach sich gegen Olympiasieger Michael Groß als neuen Bewerbungsmanager aus. Nicht aus fachlichen Gründen, sondern aus Neid: Groß koste zu viel Geld. Eigentlich sollte die Berufung des früheren Sportlers ein Befreiungsschlag sein. Denn die bisherigen Geschäftsführer Dirk Thärichen (der Mann vom Stasi-Wachregiment) und Mike de Vries (der Marketingmann, der kaum Sponsoren findet) arbeiten bestenfalls auf Abruf. Jetzt wird der Befreiungsschlag zerredet.

Am Abend schaltete sich noch der Bundestagspräsident ein. Wolfgang Thierse meinte, der Rückzug Thärichens wegen der Stasi-Affäre sei unnötig gewesen. Zitat: „Einem Westdeutschen, auch einem grünen Außenminister, wird zugebilligt, dass er sich korrigiert. Warum einem Ostdeutschen nicht?“ Nun ist der neue Streit da: Ost gegen West.

Olympia in Leipzig als nationale Aufgabe – mehr und mehr geht diese Chance verloren.

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