Sport : Acht Jahre später

Peter Neururer wird erneut Trainer in Bochum.

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Sehnsucht nach dem Tänzer. Neururer soll Bochum vor dem Abstieg retten. Foto: p-a/dpa
Sehnsucht nach dem Tänzer. Neururer soll Bochum vor dem Abstieg retten. Foto: p-a/dpaFoto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Vor einem halben Jahr hat Peter Neururer auf dem Golfplatz eine SMS von Jens Todt bekommen. Für ein paar Sekunden war sie wieder da, die Hoffnung auf einen Job im bezahlten Fußball. Doch der Bochumer Manager Todt wollte nur seine neue Telefonnummer mitteilen, so dass Neururer das Handy wieder in die Hosentasche steckte und weiter Golf spielte.

Wieder nichts.

Todt war in diesen Novembertagen in der Tat auf der Suche nach einem neuen Trainer. Als Nachfolger des erfolglosen Andreas Bergmann rekrutierte er dessen Assistenten Karsten Neitzel, und Peter Neururer spielte in seinen Überlegungen wahrscheinlich nicht mal eine untergeordnete Rolle. Seit Montag ist der Manager Todt ein Ex-Manager und der Fußballtrainer Peter Neururer wieder im Geschäft.

Drei Tage nach einer desaströsen 0:3-Heimniederlage gegen Erzgebirge Aue und dem Sturz auf den drittletzten Tabellenplatz beurlaubte die Bochumer Vereinsführung den glücklosen Trainer Neitzel und dessen Förderer Todt. Teil zwei des personellen Revirements betraf die Neubesetzung der Trainerstelle. „Ich bin wieder zu Hause“, sagte Peter Neururer dann am Montag während der offiziellen Präsentation. Der neue Trainer sei für sechs Spiele engagiert, sagte der Bochumer Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Villis und ergänzte: „Danach werden wir uns zusammensetzen.“

Für Neururer sei es „die schwierigste Aufgabe, die ich je im Profifußball hatte“. Doch der 57-Jährige gab sich, wie könnte es anders sein, selbstbewusst: „Wir schaffen den Klassenerhalt, und dann werde ich auch länger beim VfL bleiben.“

Ein Comeback, das so kaum zu erwarten war. Sein letztes Engagement hatte im Oktober 2009 mit der Entlassung beim MSV Duisburg ein vorläufiges Ende gefunden. Aber was heißt schon „vorläufig“? Neururer, ein Kind des Ruhrgebiets, wirkte nicht nur wegen seines Schnauzbartes wie aus der Zeit gefallen. Er hatte seinen Ruf weg als Feuerwehrmann – als einer, der nur für kurzfristigen Erfolg stand, ungeeignet für die langfristige Entwicklung einer Mannschaft. Dazu hatte er vergangenes Jahr einen Herzinfarkt erlitten, was gewisse Zweifel auch an seiner physischen Eignung für den Job im aufreibenden Profigeschäft weckte. Neururer hörte von einem Tag auf den anderen mit dem Rauchen auf und sagt von sich selbst: „Ich bin fitter denn je.“ Am Sonntag wird er beim Auswärtsspiel in Cottbus zum ersten Mal auf der Bank sitzen.

Neururers Comeback ist auch eine Reminiszenz an sein erstes Engagement in Bochum und an die erfolgreichste Epoche der Klubgeschichte. Im Frühjahr 2004 stürmte der VfL auf Platz fünf der Bundesliga und damit in den Uefa-Cup. In der folgenden Saison lief es dann aber wieder so, wie häufiger in Bochum. Nicht besonders gut. Am Ende stand Platz 16, der anders als heute den direkten Abstieg bedeutete. Bochum und Neururer trennten sich im gegenseitigen Einvernehmen. Acht Jahre später kommen sie wieder zusammen. Sven Goldmann

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