Sport : Acht Männer für die Hauptrolle

Diese Spieler wollen beim Confed-Cup begeistern – sie sind die tragenden Figuren ihrer Mannschaften

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Der ConfedCup ist ein Leistungstest für die acht teilnehmenden Mannschaften auf dem Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die Fans haben die Chance, Stars zu sehen. Weniger bekannte Spieler können sich auf internationaler Bühne profilieren. Zum Start des Turniers stellen wir die tragenden Figuren der Mannschaften vor.

Der Präsente

Michael Ballack, Deutschland

Michael Ballack ist in Deutschland mehr als ein normaler Fußballer. Am vergangenen Wochenende waren auf der Titelseite der „Bild am Sonntag“ verwischte Fotos zu sehen, die Ballack mit seiner Familie am Strand zeigten. Der letzte Fußballer, dem diese zweifelhafte Ehre zuteil wurde, war Oliver Kahn, kurz nach der WM 2002.

Michael Ballack ist der einzige deutsche Fußballer, der höchsten internationalen Ansprüchen genügt. Schon unter Teamchef Rudi Völler war er wegen seiner Spielintelligenz die zentrale Figur des deutschen Spiels. In 54 Länderspielen hat Ballack bereits 25 Tore erzielt. Dass Bundestrainer Jürgen Klinsmann ihn gleich zu Beginn seiner Amtszeit zum Kapitän der Mannschaft gemacht hat, hat Ballack einen Schub gegeben. „Michael kümmert sich auch außerhalb des Spielfelds sehr um die Entwicklung der Mannschaft“, sagt Klinsmann. Ballack überzeugt jetzt auf dem Platz – nicht nur durch Technik, sondern auch mit physischer Präsenz.

Der Gestalter

Juan Roman Riquelme, Argentinien

Diego Maradona, der beste argentinische Fußballer aller Zeiten, hat Juan Roman Riquelme einmal als seinen Nachfolger bezeichnet. Den scheint das Lob zu erdrücken, der FC Barcelona verlieh ihn an Villareal. Erst jetzt kann er die Erwartungen erfüllen. „Ich durchlebe meine beste Zeit“, sagt er. Das hat er auch Argentiniens Nationaltrainer José Pekerman zu verdanken, unter dem er U-20-Weltmeister wurde. Nun darf Riquelme das Spiel gestalten, auch wenn er die Rückennummer 8 hat. Maradonas legendäre 10 trägt Pablo Aimar.

Der Geniale

Ronaldinho, Brasilien

Es ist schwer, für Ronaldinho (25) eine Kategorie zu finden, die seiner Kunst gerecht wird. Jedenfalls ist er der eleganteste unter den brasilianischen Ballkünstlern. Er besticht mit seiner Leichtigkeit in Dribblings und beim Torschuss. Er schießt Tore aus hoher Geschwindigkeit und aus dem Stand heraus. Wegen seiner Spielübersicht, seinen genialen Pässen und seiner Präzision im Schuss wird er in Brasilien mit dem Größten seiner Zunft verglichen: mit Pelé. Den Durchbruch schaffte er beim Confed-Cup 1999. Dort erzielte Ronaldinho für den späteren Sieger sechs Tore. Der Weltfußballer von 2004 und Superstar des FC Barcelona könnte der Spieler des Turniers werden.

Der Geduldige

Tim Cahill, Australien

Es kommt mal vor, dass man im Urlaub eine Dummheit begeht. Den australischen Fußballer Tim Cahill hätte das beinahe um die schönsten Erfahrungen seiner Karriere gebracht. 1994 war er mit seinen Eltern in West-Samoa, der Heimat seiner Mutter, und bestritt dort ein Länderspiel für die U 17 West-Samoas. Der damals 15-Jährige wurde für elf Minuten eingewechselt. Wegen dieser elf Minuten durfte er nach dem Fifa-Reglement fortan nicht mehr für Australien spielen. Erst im März des vergangenen Jahres änderte der Weltverband seine Bestimmungen. Seitdem hat der offensive Mittelfeldspieler vom FC Everton in sieben Länderspielen sieben Tore erzielt.

Der Antreiber

Theodoros Zagorakis, Griechenland

Für Otto Rehhagel ist die Mannschaft der Star. Eine Ausnahme macht der deutsche Trainer. Sie heißt Theodoros Zagorakis und ist die zentrale Figur in Rehhagels Team. Der defensive Mittelfeldspieler ist die Seele des griechischen Spiels. Dabei übernimmt der Rekordnationalspieler seines Landes defensive wie offensive Aufgaben. Bei ihm laufen die Fäden zusammen, er kann die Mitspieler mitreißen. So wurde er zum Spieler der EM 2004 gewählt. Eigentlich sollte der 33-Jährige seinem Verein FC Bologna in den Relegationsspielen um den Verbleib in der italienischen Serie A helfen. Doch Rehhagel hat ihn losgeeist für das Spiel gegen Brasilien.

Der Nationalheld

Santos, Tunesien

Dass die tunesische Nationalmannschaft in diesem Sommer beim Confed-Cup in Deutschland mitspielen darf, hat sie einem Brasilianer zu verdanken. Francileudo Silva dos Santos, geboren in Brasilien, eingebürgert in Tunesien, erzielte beim 2:1-Sieg seiner Mannschaft im Endspiel um die Afrika-Meisterschaft gegen Marokko im Januar des vergangenen Jahres den entscheidenden Treffer und wurde mit insgesamt vier Toren bester Schütze des Turniers. Seitdem wird der nur 1,72 Meter große Stürmer in seiner neuen Heimat Tunesien verehrt wie ein Nationalheld. Santos, wie der 26-Jährige der Einfachheit wegen genannt wird, kann eine überragende Torquote vorweisen. In 15 Länderspielen traf er elfmal, davon allein viermal im WM-Qualifikationsspiel gegen Malawi. Das hat vor ihm nur Kameruns Fußballlegende Roger Milla geschafft.

Der Vielseitige

Hidetoshi Nakata, Japan

Hidetoshi Nakata, den alle nur „Hide“ nennen, sieht nicht nur selbst gut aus, er lässt auch seine Gegenspieler oft schlecht aussehen. Beim AC Florenz, wo der 28 Jahre alte Japaner spielt, konnte er allerdings noch nicht überzeugen, weil er in der abgelaufenen Saison wenig Spielzeit erhielt. Aber in seiner Heimat, vor allem bei den weiblichen Fans, ist er der beliebteste Spieler. Seine Stärke sind sein Trickreichtum und seine vielseitige Verwendbarkeit. Im Mittelfeld kann er alle Positionen spielen. Er ist schuss- und dribbelstark.

Der Elegante

Rafael Marquez, Mexiko

Rafael Marquez hat ein Vorbild aus Deutschland: Franz Beckenbauer. Marquez schätzt Beckenbauer für seine spielerische Eleganz. In der mexikanischen Nationalelf hält der 26-Jährige die unerfahrene Abwehr zusammen und nimmt eine wichtige Rolle im Spielaufbau ein. Umso ärgerlicher ist es, dass Marquez wegen einer Verletzung für mehrere Spiele auszufallen droht.

Zusammengestellt von Stefan Hermanns und Michael Rosentritt.

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