Adebowale Ogungbure : „Nie mehr vierte Liga“

In Leipzig wurde Adebowale Ogungbure rassistisch beschimpft – nun will er in Offenbach neu anfangen.

Lars Spannagel
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Seitenwechsel: Adebowale Ogungbure will Leipzig schnell verlassen. -Foto: dpa

Adebowale Ogungbure, 25, hat die vergangenen beiden Jahre bei Sachsen Leipzig in der Oberliga Nordost, Staffel Süd, gespielt. Vorher stand er bereits beim 1. FC Nürnberg, dem SSV Reutlingen sowie Energie Cottbus unter Vertrag. Der Nigerianer wurde im vergangenen Jahr in ganz Deutschland bekannt, als er von Anhängern des Halleschen FC rassistisch beleidigt wurde, worauf er mit dem Zeigen des Hitlergrußes reagierte. Im November wurde Ogungbure für vier Spiele gesperrt, nachdem er Andrej Zapischni vom VFC Plauen niedergeschlagen hatte. Ogungbure gab an, von Zapischni ebenfalls beleidigt worden zu sein.

Herr Ogungbure, vor einem Jahr haben Sie gesagt, der Rassismus in den ostdeutschen Stadien würde Sie fertig machen. Am liebsten wollten Sie damals sofort ins Ausland wechseln, nach Frankreich oder England. Jetzt haben die Offenbacher Kickers Sie verpflichtet.

Als Fußballspieler ist man immer von den Angeboten abhängig, die man bekommt. Jetzt habe ich erst einmal für zwei Jahre in Offenbach unterschrieben. Ich bin schon neun Jahre in Deutschland, irgendwann würde ich auch gerne im Ausland spielen.

Was waren die wichtigsten Gründe für Ihren Wechsel?

Ich wollte ganz einfach unbedingt wieder in der Zweiten Bundesliga spielen. Für meine Karriere ist es unheimlich wichtig, dass ich im Profifußball bin. Die Zweite Liga ist fast genauso professionell wie die Bundesliga.

Wollten Sie vor allem aus dem Osten Deutschlands weg?

Mir geht es nicht um Westdeutschland oder Ostdeutschland. Es gibt doch überall schlechte Menschen und gute Menschen. Ich bin in erster Linie überglücklich, dass ich wieder im Profifußball spielen kann.

Wie blicken Sie auf die zwei Jahre in Leipzig zurück?

Es war eine schwere Zeit für mich. Ich bete zu Gott, dass ich nie mehr in der vierten Liga spielen muss.

Wollten Sie Leipzig schon lange verlassen?

Nach dem ersten Vorfall in Halle wollte ich sofort wechseln. Aber der Verein und die Fans haben mich so unterstützt, diese Solidarität hat mir geholfen. Ich habe gehofft, dass es ruhiger wird, dass ich mich auf Fußball konzentrieren kann. Das war nicht der Fall. In Offenbach wird das anders sein.

Wann ziehen sie um?

So schnell wie möglich.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

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