• Adidas kein Nada-Sponsor mehr: Die Wirtschaft hat kein Interesse am sauberen Sport

Adidas kein Nada-Sponsor mehr : Die Wirtschaft hat kein Interesse am sauberen Sport

Als letzter Sponsor aus der Wirtschaft zieht sich Adidas aus der Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur zurück. Das ist ein Armutszeugnis. Ein Kommentar.

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Hat einen Unterstützer weniger. Lars Mortsiefer, Vorstand der Nada, bedauert das Ausscheiden von Adidas.
Hat einen Unterstützer weniger. Lars Mortsiefer, Vorstand der Nada, bedauert das Ausscheiden von Adidas.Foto: dpa

Die deutsche Wirtschaft hat kein Interesse am sauberen Sport. Anders kann man nicht bewerten, dass sich Adidas als letztes Unternehmen aus der Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) zurückzieht. Das berichtet "Bild". 300 000 Euro zahlte das Unternehmen bislang an die Nada. So kann man auch nicht mehr ernst nehmen, was die Sportsponsoring-Vereinigung S 20 auf ihrer Internetseite schreibt. "Für Sponsoren ist Doping ein ethisches und ein rechtliches Thema: In Sponsoring-Verträgen mit Sportlern und Teams gibt es eigens eine Klausel zu Dopingvergehen."

Hurra, wie großartig! Nur dass diese Klausel nichts kostet. Und natürlich auch im Eigeninteresse des Sponsors liegt, denn wer will sich schon seinen Firmennamen von unsauberem Blut oder Urin besudeln lassen? Richtig müsste es nun heißen: Für Sponsoren ist Doping ein rechtliches und finanzielles Thema. Denn um sich selbst mit der Ethik des Sports aufzuladen, müssten die Sponsoren einen relevanten Beitrag für sauberen Sport leisten. Und wenn es nur zwei oder drei Prozent der sonstigen Sponsoring-Ausgaben wären.

Für die Nada ist der Ausstieg von Adidas besonders bitter. Denn sie hat sich durch kontinuierliche Arbeit stabilisiert und sich zuletzt auch selbstbewusst in Debatten eingemischt. Man könnte es auch so sagen: Bei einer seriöser werdenden Nada steigt Adidas aus. Bei Sportverbänden mit Korruptionsfällen bleibt das Unternehmen drin. 300 000 Euro hätten Adidas auch im nächsten Jahr nicht weh getan. Doch bevor ein schiefer Eindruck entsteht: Immerhin hat sich Adidas überhaupt noch engagiert. Andere tun gar nichts.

Der Kampf gegen Doping ist ein Extremsport. Weil er an so vielen Stellen gleichzeitig geführt werden muss. Weil er so lange dauert. Und weil er eigentlich nie gewonnen werden kann. Unternehmen aber wollen gewinnen und Gewinne. Der Kampf gegen Doping ist ein Schlechte-Laune-Thema. Die Kontrollen muten den Athleten einiges zu. Es geht um komplizierte biochemische Vorgänge. Und wenn jemand erwischt wird, kommt auf einmal die Verlogenheit des Systems zum Vorschein. Da investieren Unternehmen doch lieber in Vereine und strahlende Athleten als in die Nada oder andere Organisationen.

Sauberer Sport kostet jedoch sehr viel Geld. Kontrollen kosten Geld. Präventionsprogramme kosten Geld. Und vor allem kostet die Forschung sehr viel Geld. Es hat sich schließlich nichts daran geändert, dass Doper den Fahndern einen Schritt voraus sind, dass sie Methoden und Mittel anwenden, die eigentlich nur durch Verrat ans Licht kommen, nicht aber durch die Arbeit der Kontrolleure. Forschungsprojekte können den Abstand zwar nicht ganz aufheben, aber verringern helfen.

Die journalistischen Enthüllungen des russischen Staatsdopings waren ein Erfolg im Kampf gegen Doping. Doch die Whistleblowerin Julia Stepanowa hat kürzlich gesagt, dass es die Mühen eigentlich nicht wert war. Das kann man nun auch bei der Nada denken, wenn der letzte Unterstützer aus der Wirtschaft geht.

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