Adler Mannheim : Laut, aber nachdenklich

Nur Platz neun, Trainer Doug Mason musste gehen. Nun wollen sich die Mannheimer Adler in Berlin aus der Krise spielen.

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Foto: p-a/City-Press

Berlin - Eisbären Berlin gegen Adler Mannheim, das ist im Normalfall das Spitzenspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Schließlich haben sich die beiden Klubs in fünf Jahren die Titel aufgeteilt, die Mannheimer sind sogar Rekordmeister der DEL. Wenn es allerdings am Freitag in Berlin (Spielbeginn 19.30 Uhr) zum Aufeinandertreffen der beiden bestsituierten Klubs der Liga kommt, wird es maximal ein gefühltes Spitzenspiel geben: Zu groß ist der sportliche Abstand. Der Tabellenführer empfängt den Neunten. 26 Punkte trennen Eisbären und Adler.

Weil nicht sein kann, was ist, hat es unter der Woche in Mannheim gerauscht. Trainer Doug Mason wurde am Montag nach nur einem Sieg aus neun Spielen beurlaubt. Mason ist seit 2004 bereits der sechste Trainer in Folge, der den Klub vor Vertragsende verlassen musste. Die Mannheimer, großzügig monetär unterstützt von ihrem Gesellschafter Dietmar Hopp, sind in dieser Saison fast immer ihren Ansprüchen hinterher gelaufen.

Das ist ein Phänomen, zumal in Mannheim alles stimmt. Die Adler haben eine der besten Arenen der Liga, einen sehr guten Zuschauerzuspruch (über 11 000 im Schnitt), beste Trainigsmöglichkeiten, ein Internat für den Nachwuchs und das teuerste Team der Liga. Der Absturz ist den Beteiligten ein Rätsel, auch wenn Manager Marcus Kuhl nun sagt, dass er wohl „ein wenig betriebsblind“ geworden sei in den jüngsten Jahren. Kuhl wird seinen Posten nach der Saison räumen und auf den des Sportdirektors weggelobt.

Auf dem Eis soll es derweil wieder einmal Teal Fowler richten, er stieg vom Ko- zum Cheftrainer auf. Vergangene Saison schaffte es der US-Amerikaner als Nachfolger von Dave King mit seinem Team immerhin bis ins Halbfinale, da waren dann die Eisbären Endstation. Fowlers Vertrag läuft zum Saisonende aus. „Daran darf ich nicht denken“, sagt er. „Sonst ist hier der Zug bald durch.“ Die Adler brauchen im Kampf um einen Play-off-Rang jeden Punkt. „Ich kann aber in der kurzen Zeit nicht alles ändern“, sagt Fowler. „Ich setze auf Schnelligkeit, vielleicht können wir mit unserem Tempo etwas ausrichten.“ Am besten schon in Berlin, dort gelang den Mannheimern in ihrem ersten Auswärtsspiel ein 3:2-Erfolg nach Verlängerung.

„Die Eisbären sind jetzt genau der richtige Gegner“, sagt Fowler. „Meine Mannschaft freut sich drauf.“ Besser ist es, denn Geschäftsführer Daniel Hopp, Sohn von Dietmar Hopp, hat nun gesagt: „Falls die Leistung nicht besser wird, werden wir am Saisonende nicht davor zurückschrecken, laufende Verträge aufzulösen.“ Claus Vetter

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