Adrian Sutil : "Ich wusste, dass ich große Sachen machen kann"

Formel-1-Pilot Adrian Sutil spricht im Tagesspiegel über seine guten Ergebnisse, das Image als Crashpilot und seinen Freund Lewis Hamilton.

Adrian Sutil, 27, debütierte 2007 in der Formel 1 für den Rennstall Spyker, der inzwischen Force India heißt.
Adrian Sutil, 27, debütierte 2007 in der Formel 1 für den Rennstall Spyker, der inzwischen Force India heißt.Foto: dpa

Herr Sutil, wie fühlt es sich an, ein Gewinner zu sein?

Kann ich nicht sagen, ich habe noch nichts gewonnen.

Aber Sie liegen vor dem Rennen in Ungarn am Sonntag auf WM-Platz zehn, nur drei Punkte hinter dem Rekordweltmeister Michael Schumacher. Sie sind jetzt auf der Gewinnerseite der Formel 1.

Gewinnerseite ist, wenn man aufs Podium fährt und um Siege kämpft. Aber ich denke mal, ich bin auf einem guten Weg, und das fühlt sich natürlich gut an, Erfolg zu haben. Ich räume dieses Jahr konstant die Punkte ab und habe oftmals sehr gute Ergebnisse wie einen fünften oder sechsten Platz. Das ist sehr viel wert und wie ein kleiner innerlicher, persönlicher Sieg.

In Ihren ersten Jahren hatten Sie selten gute Ergebnisse. Das Auto war nicht gut, dazu kamen immer wieder Unfälle und nur sechs WM-Punkte in drei Saisons. Haben Sie sich die Sinnfrage gestellt?

In meiner ersten Saison habe ich mich schon gefragt, wieso ich da überhaupt mitfahre. Du kämpfst und schwitzt wie verrückt im Auto und die anderen fahren einfach so vorbei. Das ist dann natürlich schwierig. Aber ich hatte in jedem Jahr ein, zwei Chancen, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erregen. Die Leute haben das gesehen, aber wirklich gereicht, um in ein Topauto zu wechseln, hat es nicht. Da hab ich mir gedacht: Dann mach ich mein Auto eben selber zum Topauto. Und das Team hat sich so gut gesteigert, und jetzt ist es schwierig, ein besseres zu finden.

Bei diesen Chancen kam Ihnen aber auch immer irgendetwas dazwischen. Wie zum Beispiel der Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen in Monaco 2008, der Ihnen kurz vor Rennende Ihren vierten Platz torpedierte. Haben Sie mitbekommen, dass Sie dann irgendwann das Image des Crashpiloten hatten, bei dem immer irgendwas kaputt geht?

Ja, das kriegt man mit. Aber davon muss man sich freimachen. Diese Niederschläge waren manchmal hart, besonders der in Monaco, aber das war als Erlebnis trotzdem ein Erfolg. Ich habe gewusst, dass ich in der Lage bin, große Sachen zu machen in der Formel 1. Das hat alles so seinen Sinn gehabt.

Haben Sie die Schuld für diese Niederschläge bei sich selbst gesucht oder bei anderen?

Manche schieben gern die Schuld auf andere, aber eigentlich schaue ich immer zuerst, was ich falsch gemacht habe. Auch wenn ich nichts falsch gemacht habe, frage ich, warum ist das passiert? Überall gibt es einen Auslöser, den muss man ausfindig machen. Manchmal ist es man selber, manchmal der andere, manchmal ist es einfach so passiert. Daraus lernst du deine Lektionen, das macht dich stärker. Diese Stärke brauchst du in der Formel 1.

Ihr Freund Lewis Hamilton hat dieses Rennen in Monaco gewonnen und ist im gleichen Jahr Weltmeister geworden. Hat er Ihnen helfen können?

Er hilft mir eigentlich immer, wenn ich einen Rat brauche. Wir sind gut befreundet und halten immer zueinander, wenn Fragen sind, dann reden wir darüber. Ich bin froh, dass ich wenigstens einen Freund in der Formel 1 habe, mit dem ich Zeit verbringen kann. Denn letztlich ist das hier unser Leben, und die normalen Freunde zu Hause sieht man sehr selten.

Ist es Ihr Traum oder Ihr Albtraum, mit Hamilton in einem Team zu fahren?

Wir waren ja schon mal Teamkollegen in der Formel 3, und das war eigentlich lustig, aber auch hart. Es würde sehr viel Spaß machen, in unterschiedlichen Teams um Siege zu kämpfen.

Sie sagen auch, letztes Jahr wollten Sie noch zu viel. Geht der Adrian Sutil von 2010 eher mal vom Gas, wenn einer überholen will, als der vom letzten Jahr?

Na ja, wenn dich einer überholt, kannst du meist sowieso nicht viel machen. Aber am Start kann man zum Beispiel Risiko gehen oder weniger Risiko oder sich einfach eine Strategie ausdenken. Letztendlich muss man das Rennen beenden.

Im vergangenen Jahr wollten Sie gleich am Start gewinnen?

Ja. Aber wichtig ist, im Leben bescheiden zu bleiben, und das ist auch in der Formel 1 so. Man darf nicht versuchen, in der ersten Kurve fünf Plätze zu gewinnen.

Welche Lektion haben Sie denn noch gelernt?

Du kannst nur so schnell fahren, wie dein Auto es hergibt. Fast jeder Fahrer versucht, wenn es nicht so klappt, über sich hinauszuwachsen und startet irgendwelche Manöver, die keinen Sinn machen. Das ist mir auch oft passiert. Da wollte ich zu viel und am Ende habe ich gar nichts gehabt.

Interview: Christian Hönicke

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