Sport : Ägyptischer Fuchs

El Fakharany weilt in Berlin und denkt an Kairo

Hartmut Moheit

Berlin - Das Zuspiel, mit dem rechten Außenrist gefühlvoll gezirkelt, kommt genau auf den Fuß von Pavel Prokopec. Der braucht den Ball nur noch mit einem strammen Schuss ins Tor zu befördern. Prokopec weiß natürlich, bei wem er sich zu bedanken hat, der gestreckte Daumen zeigt in Richtung von Hany El Fakharany. Es bleibt nicht die einzige Szene im Training der Füchse Berlin, in der ihr Ägypter, ob im anfänglichen Fußballspiel oder danach in seinem eigentlichen Metier, dem Handball, Anerkennung erfährt. Sein Blick für den freien Mann und das abgeklärte Agieren in der Deckung fallen besonders auf. „Häni – so wird sein Vorname ausgesprochen“, erklärt Trainer Jörn- Uwe Lommel, „hat schon in den ersten Trainingseinheiten einiges von seinem Können gezeigt.“

Erst seit dem vergangenen Sonntag ist El Fakharany, der 29 Jahre alte Abwehrchef der ägyptischen Nationalmannschaft, in Berlin. „Außer dem Hotel und den Trainingsstätten habe ich noch nichts gesehen“, erzählt er. „Da lernen meine Teamkollegen eher Kairo kennen als ich Berlin.“ Am Sonntagmorgen wird der Aufsteiger in die Erste Bundesliga zu einem einwöchigen Trainingslager in seine Heimat fliegen, und nicht nur Spiele gegen die Nationalmannschaften der Männer und der Junioren sowie gegen ein Klub-Team bestreiten, sondern auch etwas für die Bildung tun. „Eine Nilfahrt, die Pyramiden von Giseh und Sehenswürdigkeiten in Kairo empfehle ich“, sagt El Fakharany. Was aber wird es für ihn Neues geben? „Gegen meine Nationalmannschaft zu spielen, ist neu, das wird sehr spannend.“

Zuvor kann der Mann mit den Handballer-Idealmaßen (1,97 Meter groß und 103 Kilogramm schwer) bei einem Turnier in Wilhelmshaven zeigen, dass die Fans sich auf ihn freuen können. „Er wird Verantwortung übernehmen, da bin ich mir sicher“, sagt Jörn-Uwe Lommel. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass er sehr stolz auf die Verpflichtung des Ägypters ist. Viel braucht er mit ihm im Training nicht zu sprechen. Es gibt nur ein paar kurze Hinweise in Englisch, beide kennen sich eben gut. „Der Trainer hat sich nicht geändert“, sagt Fakharany. Lommel seinerseits bestätigt: „Es waren fast 100 Länderspiele, die ich mit Ägypten bestritten habe. In den knapp zweieinhalb Jahren seitdem ist mein Kontakt nie abgerissen.“

Auch derzeit telefoniert Lommel nahezu täglich nach Kairo. Zwar war die Einladung ins Trainingslager nach Ägypten von Hassan Moustafa (Präsident des Internationalen und des Ägyptischen Handball-Verbandes) ausgesprochen worden, aber den Gastgebern möchte man dennoch nicht alle Kosten überlassen. „Da der kulturelle Teil nicht billig ist, möchten wir uns finanziell beteiligen“, erzählt der Füchse-Trainer. Schließlich sei er sehr dankbar, dass es mit der Verpflichtung von El Fakharany geklappt habe. Der bringe schließlich die Erfahrungen von zwei Olympischen Spielen und vier WM-Turnieren mit.

„Seinen Wert werden wir noch mitbekommen“, sagt Lommel. Hany El Fakharany steht neben ihm und ahnt wohl, dass der Coach ihn gerade gelobt hat. Er dreht sich um und geht mit Teamkollegen duschen. Als Profisportler hat er damit keine Probleme, obwohl Muslime häufig ein besonderes Schamgefühl haben.

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