Sport : Ärger auf Wolke sieben

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Es hieß, Sie seien gerade mit Ihrem Kreisligaklub Rot-Weiß Leithe auf Jahresausflug auf Mallorca. Haben Sie denn Senegals Sieg zünftig am Ballermann 6 verfolgt?

Nein, leider nicht, ich bin schon zurück, ich hab’ das Spiel bei einem Freund gesehen. Auf Mallorca wäre die Stimmung natürlich noch besser gewesen. Egal, ich schwebe trotzdem auf Wolke sieben, obwohl mir klar war, dass Senegal viel leisten kann.

Haben Sie denn schon Jubel-Nachrichten aus dem Senegal erhalten?

Ich nicht, weil ich zurzeit nur über Handy zu erreichen bin. Aber meine Frau bekam schon 20 Anrufe. Dort ist die Hölle los. Für meine Landsleute ist das wie ein WM-Gewinn.

Und jetzt ärgert es Sie, dass Sie zwar 23 Mal für Senegal spielten und Kapitän des Teams waren, aber schon 1994 zurückgetreten sind. Sie haben den größten Triumph um ein paar Jahre verpasst.

Natürlich ärgere ich mich. Aber ich bin zum richtigen Zeitpunkt abgetreten. Es musste eine neue Mannschaft aufgebaut werden.

Nicht mal Ihren damals größten Erfolg durften Sie richtig auskosten. Senegal stand 1990 im Halbfinale des Afrika-Cups, Sie durften nicht mitspielen.

Nein, ich musste zum 1. FC Nürnberg zurück. Damals hatten die Klubs diese Macht.

Wenn Sie heute 15 Jahre jünger wären, könnten Sie in der Nationalmannschaft mithalten?

Ja. Die Spielart hat sich ja nicht geändert, nur haben die Spieler heute mehr Disziplin.

Spieler wie Sie waren also Problemfälle?

Wir waren mehr Häuptlinge im Kader. Wir haben widersprochen, wenn uns etwas falsch erschien.

Die meisten senegalesischen Nationalspieler spielen in Frankreich. Haben Ihre Landsleute denn überhaupt Bezug zu diesen Legionären?

Ja, klar. Die Begeisterung ist riesengroß.

Sie haben als Spielerberater drei senegalesische Nationalspieler unter Vertrag. Fordern Sie für die jetzt gleich mal mehr Gehalt?

Na logisch. Die haben zwar laufende Verträge, aber ihre Klubs sollen jetzt mehr überweisen.

Pech nur, dass im Profi-Fußball das Geld gerade etwas knapper wird.

Ach was, da ist genügend da.

Und Sie sind jetzt als Kotrainer der senegalesischen Nationalmannschaft im Gespräch.

Der jetzige Kotrainer Gilles Boucank wird möglicherweise Cheftrainer. Mein Freund Boucank hat mich gefragt, ob ich dann den Job haben will. Aber vom Verband habe ich noch kein Angebot. Doch ich würde auf jeden Fall weiter in Deutschland leben.

Und Tore am Fließband schießen. 41 waren es in der letzten Saison. Schlägt sich Ihre Euphorie nach diesem Sieg in einer noch höheren Quote nieder?

Nee, ich spiele bloß, um mich fit zu halten. Das Niveau bei uns ist ja nicht so hoch.

Das Gespräch führte Frank Bachner.

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