Sport : Ärger nach dem Finale

Boll und Struse sind neue Tischtennis-Meister

René Adler

Stadtallendorf - Bundestrainer Richard Prause musste seine ganze Muskel- und Überzeugungskraft einsetzen, um Christian Süß daran zu hindern, wutentbrannt die Halle zu verlassen. „Ich muss weg, ins Krankenhaus, zu meiner Mutter“, sagte der 19 Jahre alte Düsseldorfer, nachdem er das Einzel-Finale der deutschen Meisterschaften in Stadtallendorf gegen Timo Boll verloren hatte. Kurz zuvor hatte Steger erfahren, dass er nicht zur deutschen Mannschaft gehört, die bei den Europameisterschaften in Aarhus (27. März bis 3. April) nach drei verlorenen Endspielen hintereinander endlich den ersten Titel gewinnen will.

Selbst der nominierte Jörg Roßkopf kritisierte die späte Entscheidung: „Die Spieler haben sich monatelang nur verrückt gemacht. Wenigstens die Mannschaft für die EM hätte man früher nominieren müssen, um eine gezielte Vorbereitung zu ermöglichen. Daraus muss der Verband lernen, sonst wird Deutschland womöglich nie Europameister.“

Aufregung wird es auch bei den Damen geben. Bei der Einzel-WM in Schanghai (30. April bis 6. Mai) wird nach Informationen des Tagesspiegels die neue Deutsche Meisterin Nicole Struse ebenso nicht im Aufgebot stehen wie Elke Wosik, die mit großem Abstand zweitbeste Nationalspielerin in der Weltrangliste.

Bei den Männern setzen die Bundestrainer auf Erfahrung. Sie verzichten nicht nur auf Süß, der im vorigen Jahr bei der Mannschafts-WM in Katar in jenem deutschen Team stand, das erstmals seit 35 Jahren wieder das Finale einer WM erreichte. Auch Bastian Steger, der bis zum Finale der deutschen Meisterschaft keinen einzigen Satz verlor, ist nicht dabei, obwohl er in den vergangenen Monaten eine Reihe von Weltklasseleuten bezwungen hat. Stattdessen wurden neben Boll, der sich gestern in Stadtallendorf mit einem 4:1 gegen Steger seinen sechsten Meistertitel sicherte, Lars Hielscher und Zoltan Fejer-Konnerth die 35 und 31 Jahre alten Routiniers Jörg Roßkopf und Torben Wosik nominiert.

Eine Entscheidung, über die Steger ebenso erst nach dem Endspiel informiert wurde wie Struse. „Bin ich etwa nicht dabei?“, fragte die 33-Jährige entgeistert. Durch ihren 4:3-Erfolg gegen ihre Klubkameradin Christina Fischer sicherte sich Struse gestern ihren achten Einzeltitel. Damit ist sie Deutschlands alleinige Rekordmeisterin. Was Struse erst später erfuhr: Es gibt noch eine Hintertür: Falls sie und die 31 Jahre alte Elke Wosik bei der EM in drei Wochen überragende Leistungen bringen, wollen die Trainer ihre Nominierung noch einmal überdenken.

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