Sport : Ärger über das Biest

Die Argentinier fürchten das Aus bei der Copa America und kritisieren Messi

Tobias Käufer[Buenos Aires]
Alle auf den Kleinen. Argentiniens Star Lionel Messi enttäuschte bisher bei der Copa – in seiner Heimat vergleicht man ihn mit „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Foto: Reuters
Alle auf den Kleinen. Argentiniens Star Lionel Messi enttäuschte bisher bei der Copa – in seiner Heimat vergleicht man ihn mit...Foto: REUTERS

Die „Generation Glücklos“ muss jetzt endlich gute Resultate liefern: Seit mehr als 18 Jahren warten die Fans der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft auf einen Titel. Mit ihren Klubs haben Esteban Cambiasso, Diego Milito, Gabriel Milito oder Javier Zanetti in Europa schon fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Im argentinischen Trikot aber fehlt es ihnen bislang an Erfolgen. Nun entscheidet sich das Schicksal dieser Generation in der Nacht zum Dienstag in der Partie gegen Costa Rica. Im „Estadio Mario Alberto Kempes“ in Cordoba, an jener Stätte an der die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 1978 in Argentinien ihre unvergessene Pleite gegen Österreich hinnehmen musste, geht es für den zweifachen Weltmeister und Copa-Gastgeber Argentinien ums sportliche Überleben.

Nur mit einem Sieg kann das Team sicher sein, auch in der Runde der letzten Acht noch dabei zu sein. Die Stimmung im argentinischen Lager ist vergiftet. Berichte über eine handfeste Auseinandersetzung in der Kabine nach dem glücklichen 0:0 gegen die starken Kolumbianer mit dem Berliner Adrian Ramos offenbaren, wie es um das Seelenheil der Mannschaft bestellt ist. Vor allem Superstar Lionel Messi ist das Zentrum der Angriffe argentinischer Medien. Der Stürmer des FC Barcelona findet – wieder einmal – im Trikot der Nationalmannschaft nicht zu seiner Form, die man von ihm aus Barcelona kennt. In ihm schlummere ein Dr. Jekyll und Mr. Hyde, unkt der einflussreiche TV-Sender Fox Sports Argentina in einer seiner unzähligen Talkshows und legt noch gleich einen weiteren Vergleich aus der Filmwelt nach: „Die Schöne und das Biest“ treffe wohl am besten das unterschiedliche Wohlempfinden Messis – je nachdem welches Trikot der gerade trage.

„Messi spielt immer gut, die um ihn herum sind das Problem“, sagte der mächtige Verbandsboss Julio Grondona in dieser Woche und dürfte damit das ohnehin schon stark belastete Binnenklima im Team weiter angeheizt haben. Das Spiel am Montagabend könnte den argentinischen Fußball nachhaltig verändern. Gehen die Schützlinge von Nationaltrainer Sergio Batista als Verlierer gegen den Fußball-Zwerg Costa Rica vom Platz, wird es das endgültige Ende der Generation umCambiasso und Zanetti sein.

Selbst Coach Batista wird dann kaum noch zu halten sein. Argentiniens Fußball stünde im Falle einer Niederlage vor einem Scherbenhaufen. Fußball-Legende Diego Maradona, als Vorgänger Batistas ebenfalls gescheitert, könnte plötzlich schneller wieder zur Option werden, als sich dies der mächtige Verbandsboss Julio Grondona vorgestellt hätte. Selbst der bislang als unantastbar scheinende Grondona steht dann zur Disposition.

Trainer Batista setzt jedoch auf die Wende: „Ich habe vollstes Vertrauen in meine Mannschaft. Wir werden uns qualifizieren“, verspricht der argentinische Coach und ruft seine Landsleute zur Besonnenheit auf: „Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren.“ Superstar Lionel Messi lässt unterdessen seinen Vater antworten. Der ärgerte sich in einem Radio-Interview über die Kritik an seinem Sohn. „Sie gießen Öl ins Feuer“, beschwert sich Jorge Messi. Dass sein Filius die Nationalhymne nicht wie seine Teamkollegen mitsinge, sei kein Ausdruck fehlenden Nationalstolzes: „Wenn ich in die Kirche gehe, bete ich auch leise.“

Doch die argentinischen Fans stehen Messi kritischer gegenüber als je zuvor. Er sei doch schon längst ein Spanier, heißt es in den unzähligen Fanforen. Nationaltrainer Sergio Batista nimmt seinen Schützling in Schutz: „Lionel liebt die Nationalmannschaft. Er leidet selbst unter der Situation am meisten.“

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