Ärger um Italiens Stümer-Star : Schwulenvertreter fordern Cassanos Rausschmiss

"Ich hoffe, es sind keine Schwulen in unserer Mannschaft" sagte Antonio Cassano am Dienstag - und bat später um Entschuldigung. Jetzt werden Forderungen nach einem Ausschluss Cassanos aus dem EM-Team der Italiener laut.

Antonia Cassano rief mit schwulenfeindlichen Äußerungen Empörung hervor.
Antonia Cassano rief mit schwulenfeindlichen Äußerungen Empörung hervor.Foto: dapd

Italiens Nationalstürmer Antonio Cassano redet sich bei der Fußball-Europameisterschaft um Kopf und Kragen. Mit schwulenfeindlichen Äußerungen sorgte er auf einer Pressekonferenz am Dienstag für Aufregung: „Ich hoffe, dass keine Schwulen in der Mannschaft sind“, sagte der exzentrische Süditaliener am Dienstagnachmittag im Casa Azzurri auf die Frage eines Reporters.

Nach dem grandiosen EM-Auftakt gegen Spanien (1:1) brockt sich der exzentrische Süditaliener der Squadra Azzurra mit seinen Aussagen vor dem Spiel gegen Kroatien völlig unnötigen Ärger ein. Die Online-Ausgabe der „Gazzetta dello Sport“ nannte Cassano Worte über Homosexuelle „schockierend“. Am Abend entschuldigte er sich: „Das tut mir aufrichtig leid. Ich wollte niemanden beleidigen. Schwulenfeindlichkeit ist mir absolut fremd“, teilte Cassano der Nachrichtenagentur ANSA mit.

Unterdessen haben Vertreter mehrerer italienischer Homosexuellen-Organisationen cassanos Rausschmiss aus dem EM-Kader gefordert. „Vielleicht sollte ihn der Nationalcoach nach Hause schicken“, sagte der Ehrenpräsident der Organisation Arcigay, Franco Grillini. „Wer seine Verachtung gegenüber anderen zum Ausdruck bringt, kann die Nationalmannschaft nicht würdig repräsentieren“, meinte Andrea Maccarone vom Circolo di cultura omosessuale Mario Mieli. Der Präsident der Region Apulien, Nichi Vendola, nannte die Bemerkungen des aus Apulien stammenden Fußballers „eine Schande“.

Reporter hatten Cassano auf der Pressekonferenz am Dienstag auf Äußerungen des italienischen Fernsehmoderators Alessandro Cecchi Paone angesprochen und den redseligen Fußballer damit aufs Glatteis geführt. Cecchi Paone hatte in einem Radio-Interview behauptet, dass zwei Homosexuelle und ein Bisexueller in der Squadra Azzurra seien. Cecchi Paone selbst ist homosexuell und hatte nach eigener Aussage mittlerweile beendete Beziehungen zu zwei italienischen Profi-Fußballern.

Zunächst hatte der 29-jährige Cassano in Krakau auf die Frage noch ausweichend reagiert: „Wir antworten darauf nicht“, sagte der Stürmer des AC Mailand und fügte dann hinzu: „Es ist besser, ich sage nicht, was ich denke.“ Dann sprach er doch, hätte es wohl aber lieber gelassen. Cassanos unbedachte Art hat ihm schon oft Skandale eingebrockt. Vor eineinhalb Jahren stand seine Karriere vor dem Aus, weil er den Vereinspräsidenten von Sampdoria Genua, Riccardo Garrone, auf das Übelste beschimpft hatte. Genua warf ihn daraufhin raus.

Überraschend kam der Skandal-Kicker beim AC Mailand unter. Dort schien er ruhiger geworden zu sein - vor allem nach seiner Herz-Operation im vergangenen Herbst. Nationalcoach Cesare Prandelli hielt trotz der Operation, seines Trainingsrückstands und seiner früheren Eskapaden an Cassano fest. Sein Vorgänger Marcello Lippi hatte sich stets geweigert, Cassano in die Nationalelf zu berufen, weil er seine Ausraster und damit um den Teamgeist in der Squadra Azzurra fürchtete. (dpa)

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