Sport : Ärger um Kusnetsowas Hustensaft

US-Open-Siegerin: Ich habe nicht gedopt

Alexander Hofmann

Melbourne - Das Thema Doping taucht im Tennis bislang nur selten auf, aber wenn, dann irgendwie immer bei den Australian Open. Am Dienstag traf es die US-Open-Siegerin Swetlana Kusnetsowa. Die Russin soll, so hieß es, bei einem Turnier in Charleroi/Belgien das Stimulanzmittel Ephedrin eingenommen haben. Die Affäre war vom wallonischen Sportminister Claude Eerdekens losgetreten worden, der Kusnetsowas Namen öffentlich genannt hatte, bevor die B-Probe überhaupt analysiert worden war, was keineswegs den Gepflogenheiten entspricht.

Dem voreiligen Minister ist dabei allerdings entgangen, dass Ephedrin nach den Regeln der Spielerinnenvereinigung (WTA) und auch der Welt-Antidopingagentur (Wada) nur in offiziellen Wettkämpfen verboten ist. Bei dem Turnier in Belgien handelte es sich aber um eine Einladungsveranstaltung. Kusnetsowa wird nicht bestraft und darf in Melbourne weiter spielen. Zudem sind bisher angeblich weder Kusnetsowa noch die WTA oder der Tennisweltverband ITF offiziell informiert worden.

WTA-Chef Larry Scot bezeichnete das Verhalten des belgischen Ministers in wenig freundlichen Worten als „schändlich“ und sprach von einer „enormen Ungerechtigkeit für unseren Sport“. Kusnetsowa wurde am Dienstag von mehr als einem halben Dutzend Fernsehteams und fünf Sicherheitsbeamten auf den Trainingsplatz begleitet, weigerte sich aber, mit der Presse zu sprechen. Dafür ließ die 19-jährige Russin eine Stellungnahme veröffentlichen, in der von „schändlichen Anschuldigungen“ die Rede war. Sie habe wegen einer Erkältung ein Mittel eingenommen, und es gebe überhaupt keinen Grund, außerhalb der Saison ein Stimulanz zur Leistungsverbesserung einzunehmen.

Im vergangenen Jahr hatte der Brite Greg Rusedski trotz eines positiven Tests auf Nandrolon bei den Australian Open starten dürfen, auch der Melbourne-Sieger von 1998, der Tscheche Petr Korda, war beim Zugriff auf unerlaubte Hilfsmittel erwischt worden. In Sachen Dopingbekämpfung nimmt Tennis nicht gerade eine Führungsrolle ein. Vor Rusedski waren schon bei mehreren Dutzend Spielern überhöhte Nandrolon-Wert gefunden worden, ohne dass je eine Sperre ausgesprochen worden wäre – weil sich herausstellte, dass die Mittel vermutlich in Nahrungsergänzungsmitteln gesteckt hatten, die die Physiotherapeuten der Männer-Tour verteilt hatten. Wada-Generaldirektor David Howman erklärte, seine Organisation sei „nicht so zufrieden“ mit der Vorgehensweise. Wie man bislang im Tennis mit Doping-Diskussionen umzugehen versteht, demonstrierte gestern Kusnetsowas australische Doppelpartnerin Alicia Molik. Sie sah die Schlagzeilen auf den Titelseiten der australischen Zeitungen, kaufte alle Blätter – und warf sie in den Müll.

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