Sport : Ärztliches Attest für die Hochzeit

Philipp Köster

Fußballfan zu werden ist nicht schwer. Eintrittskarte kaufen, Fahne erwerben, ins Stadion setzen, Fahne schwenken, beim Tor den schnauzbärtigen Nebenmann umarmen – willkommen im Klub. Fußballfan zu bleiben ist hingegen eine knifflige Sache. Denn der Alltag hält für die Anhänger jede Menge Enttäuschungen parat, 0:3-Niederlagen im Cottbuser Schnürregen und jämmerliche Erstrundenniederlagen im Pokal. Anschließend schaut manch ein enttäuschter Zuschauer doch lieber wieder beim Badminton oder Turniertanzen vorbei. Der echte Fußballfan hingegen ist eine treue Seele. Er verpasst kein Spiel, weder daheim noch auswärts. Selbst wenn sein Klub kurzfristig an Heiligabend ein Freundschaftsspiel im südlichen Kasachstan anberaumen würde, wäre er dabei. Und fielen ein Pflichtspiel und die eigene Hochzeit auf einen Tag, würde er mit ärztlichem Attest fehlen – bei der Hochzeit, versteht sich.

Nun ist es allerdings nichts ganz einfach, den Treuenachweis zu führen. Schließlich sind viele Tausend Zuschauer im Stadion, kann ja jeder behaupten, da gewesen zu sein. Und deshalb schleppen viele Fans Fahnen mit ins Stadion, bemalen sie in defizitärer Schreibschrift mit markigen Slogans der Preisklasse „Schalke – Die Macht aus Westfalen“ und hängen sie dort an den Zaun, im günstigen Blickwinkel der Fernsehkameras. Sonst lohnt sich ja der Aufwand nicht.

Mit Schaudern erinnere ich mich an meine eigene Fahnenvergangenheit. Als ich 1991 mit zwei Schulfreunden einen Fanklub gründete, wurde gleich auch eine eigene Fahne geklöppelt. Ein Spiel lang hing die Fahne am Zaun vor dem Fanblock, dann wurde der Fanklub hektisch wieder aufgelöst, wegen eines Rechtschreibfehlers auf der Fahne. Es stand dort nämlich in großen Lettern: „Arminia Pauer“. Pauer ist englisch und heißt Kraft.

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