Sport : Ästhetik trifft Erfolg

Dank Birgit Prinz träumen Deutschlands Frauen vom WM-Titel

Matthias B. Krause

New York. Als die erste große Hürde genommen war, kam sie Birgit Prinz verdächtig klein vor. „Es war unser Ziel, unsere Gruppe zu gewinnen“, sagte die deutsche Stürmerin nach dem 6:1-Erfolg der DFB-Auswahl im letzten Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Argentinien, „wir hätten nicht gedacht, dass es so einfach sein würde.“ Und dann ließ sich die sonst mit öffentlichen Äußerungen so zurückhaltende Frankfurterin sogar zu einer gewagten Prognose hinreißen: „Ich denke, wir haben eine ernsthafte Chance, diese Weltmeisterschaft zu gewinnen.“ Nach Erfolgen gegen Kanada (4:1), Japan (3:0) und eben Argentinien stehen die Deutschen ohne Punktverlust da, 13 Treffer und nur zwei Gegentore zieren die Statistik. Nach dem glatten Durchmarsch durch die Gruppe C treffen sie nun im Viertelfinale auf den Zweitplatzierten der Gruppe D. Dort streiten sich noch Russland, China und Australien um den Gruppensieg – und damit um die Möglichkeit, dem scheinbar übermächtigen deutschen Team aus dem Weg zu gehen.

Dass die Frauen von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer so tadellos spielen, haben sie nicht zuletzt der wieder erstarkten Birgit Prinz zu verdanken. Zu Jahresbeginn, zerrissen zwischen ihrem Heimatverein 1. FFC Frankfurt, den sie zwar ins Pokal-Halbfinale schoss, dann aber wegen ihrer Verpflichtung bei den Carolina Courage im Stich lassen musste, und körperlich angeschlagen, fehlte sie in der Nationalmannschaft. Die Patellasehne im linken Knie schmerzte, und nach einer überragenden Saison 2001/2002, die für sie unter anderem mit dem Gewinn der US-Meisterschaft und der erneuten Wahl zur Spielerin des Jahres endete, war irgendwie auch die Motivation weg.

Die Perfektionistin reagierte mit Trotz: „Ich muss mich durchbeißen. Ich verbringe viel Zeit auf dem Fußballplatz, und da ist es nicht schön zu sehen, wie schlecht ich spiele.“ In den USA ging es wieder bergauf. Zwar schafften es die Courage nicht bis ins Finale, doch für Birgit Prinz sprang wieder ein Startplatz im All-Star-Team heraus. Ihr Trainer Jay Entlich lobte sie in höchsten Tönen: „Birgit ist eine der dominantesten Spieler in der Welt, wegen ihrer Größe, ihrer Kraft und ihrem taktischen Verständnis ist sie kaum zu stoppen. Außerdem hasst sie es zu verlieren. Das zeigt sie nicht nur im Spiel, sondern auch im Training.“

Solange sie so schöne Tore schießt wie zuletzt gegen Argentinien, sind Niederlagen ohnehin kein Thema. Schon in der elften Minute hatte Prinz eine Riesenchance, als sie alleine auf die Torhüterin zulief, diese den Ball aber mit letzter Anstrengung per Zehenspitze um den Pfosten lenkte. 13 Minuten vor der Halbzeit, es stand schon 2:0, gelang Prinz dann, was später im TV als Tor des Tages rauf und runter lief. Perfekt im Strafraum von Maren Meinert mit einem langen Pass bedient, zirkelte die Stürmerin den Ball per Seitfallzieher mit dem rechten Fuß volley ins Eck. Das war ihr viertes Tor bei diesem Turnier, niemand traf bislang öfter.

Angetan von so viel Erfolg und Ästhetik, mochte Birgit Prinz ihre Zuversicht auch angesichts schlechter Nachrichten aus einem Washingtoner Krankenhaus nicht fahren lassen. Dort diagnostizierten die Ärzte bei der deutschen Abwehrchefin Steffi Jones einen Kreuzbandriss im rechten Knie, erlitten in Minute 62 ohne Fremdeinwirkung. Das Turnier ist damit für sie vorzeitig beendet. „Das ist ein großer Verlust“, sagt Birgit Prinz, „aber ich denke, das wird uns motivieren. Wir haben ein großartiges Team und wir werden für sie mitkämpfen.“

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