Sport : Ästhetische Konsequenz

Der SC Freiburg hat schon immer vom Unmöglichen gelebt. Deswegen brauchen sich die Fans in ganz Deutschland auch keine Sorgen zu machen. Das Entscheidende bei diesem Verein ist ja nicht, dass er als erster in der Bundesliga taktisch auf der Höhe der internationalen Ligen war, mit Überzahlspiel, Kurzpass-Stafetten und der Entwicklung des freien Raums: Das Entscheidende ist, dass er immer dann doch noch gewinnt, wenn es keiner mehr für möglich hält.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Sicher, es gab entsetzliche Spiele der Freiburger. Gegen Gurkenmannschaften sehen sie immer schlecht aus, denn da haben sie oft keine Lust. Aber wer erinnert sich nicht an das legendäre 5:1 gegen Bayern München, als ein kurzfristig aus der Amateurliga in Lörrach für 200 000 Mark gekaufter Stürmer namens Wassmer wie aus heiterem Himmel, dem üblichen Freiburger Himmel, drei Tore schoss? Oder an das glanzvolle 4:1 gegen Dortmund, das letzte Spiel vor der Winterpause, als sich mit einer beispiellosen ästhetischen Konsequenz die Tore einstellten, obwohl die Freiburger nie einen richtigen Stürmer mit Killerinstinkt hatten?

Die faden Ebenen der Liga, die Durchschnittlichkeit interessierten die Freiburger nie. Die Spiele, die sie eigentlich gewinnen müssten, machen ihnen keinen Spaß. Immer wieder, vor allem im deutschen Winter, wenn es den Südländern einfach zu kalt ist und ihre Mentalität nicht zum Tragen kommt, gab es Müdigkeit und Niederlagenserien. Im ersten Bundesligajahr etwa schienen die Freiburger vier Spieltage vor Schluss rettungslos abgeschlagen: Sie hatten sogar das Heimspiel gegen Dresden 0:1 verloren. Sie hätten alle Spiele gewinnen müssen und die Nürnberger alle verlieren. Was geschah? Es fing mit einem ungeheuerlichen 4:0 beim VfB Stuttgart an und führte im nächsten Jahr direkt in den Uefa-Cup.

Deswegen ist es ja schön und gut, wenn die Sportjournalisten gelernt haben, dass aus Freiburg die Innovation kommt und der Trainer ein Avantgardist ist. Die Wahrheit liegt tiefer, auch wenn der nüchtern analysierende Trainer davon immer ablenken will. Freiburg steht für das, was nicht denkbar ist. Freiburg ist erst dann ganz bei sich, wenn es um das Unmögliche geht. Deswegen wird Freiburg jetzt gegen Leverkusen gewinnen.

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