Sport : Affäre Hoeneß-Daum: Das Gerücht

Harald Martenstein

Warum spricht es nicht endlich jemand aus? Christoph Daum macht ungeniert und ganz offen Reklame für Koks. Denn der Konzern RWE, bei dem Daum einen Werbevertrag unterzeichnet hat, besitzt auch Anteile an der deutschen Steinkohle.

Wenn in amerikanischen Filmen geheiratet wird, stellt der Geistliche eine Frage: Falls irgendwer etwas gegen die Vermählung einzuwenden habe, dann möge diese Person jetzt vortreten. Oder für immer schweigen. Diesen Moment der Wahrheit gab es auch in der Affäre Hoeneß-Daum. Als Bayern München den Trainerkandidaten Daum akzeptierte, um nicht den eigenen Mann Hitzfeld opfern zu müssen. In diesem Moment hätte einer vortreten müssen. Es gibt da Gerüchte, hätte einer der Bayern-Chefs sagen müssen. Lasst uns das klären. Aber sie haben geschwiegen. Sie haben an die Vereinsinteressen gedacht. Als Ergebnis der Affäre steht schon jetzt fest: Bayern München wird ein wenig unbeliebter.

Ein Gerücht ist wie Gas, es kriecht durch die Ritzen. Am Ende bleibt ein übler Geruch zurück. Der Bundeswehrgeneral Kießling, angeblich schwul, was damals noch ein Vorwurf war, der Trainer Daum, angeblich ein Kokser, die Häftlinge der RAF, angeblich ermordet, Papst Johannes Paul I., ebenfalls ermordet...wenn man es sich genau überlegt, rankt sich das Gerücht am liebsten um zwei zentrale Bereiche der menschlichen Phantasie: Tod und Sex.

Was aber kann man gegen das Gerücht tun? Vielleicht eine Gerüchteinflation anzetteln. Gerhard Mayer-Vorfelder, ein Kiffer? Franz Beckenbauer, ein Transvestit? Heiner Müller, IM der Stasi? Guido Westerwelle soll ein Verhältnis mit Veronica Ferres haben. Wenn das stimmt, kann er auf keinen Fall Karnevalsprinz in Köln werden.

Um den Übergangs-Teamchef Rudi Völler als Dauerlösung zu installieren, wurde eine Intrige angezettelt. Die Intrige aber macht es beinahe zu einer Ehrensache, sich hinter Christoph Daum zu stellen, der bis zum Beweis seiner Schuld als unschuldig zu gelten hat. Die Intrige hat das Gegenteil ihre Absichten erreicht. Und jetzt? Am 2. Dezember findet ein Spiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen statt, im Olympiastadion. Die Wahrheit, sagte vor vielen Jahren Adi Preißler, liegt auf dem Platz. So einfach war das früher.

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