Sport : Affäre Hoeneß-Daum: Der launige Ruf des Zauberlehrlings

Detlef Dresslein

Wer sich mittig vor dem Podium platziert hatte, dem bot sich ein wundervoll metaphorisches Bild. An der Wand war die messingfarbene Blende einer Lampe angeschraubt, darunter saß Uli Hoeneß im feinen Zweiteiler, schwarz mit silbriger Krawatte. Die Lampe wirkte wie ein Heiligenschein für den Manager des FC Bayern München, der einen Tag nach Christoph Daum zum Spektakel der letzten Tage Stellung nahm und sich gründlich missverstanden fühlte.

"Ich habe die Tragweite dieser Geschichte unterschätzt", sagte er mal mittendrin in der Pressekonferenz im Münchner Arabella Sheraton Hotel. Kein Champions-League-Spiel, kein Matthäus-Abschied, keine Meisterschaft hatte in den letzten Jahren einen solchen Auflauf verursacht. Die Zahl der Fernsehkameras ist allein schon ein guter Parameter für die Signifikanz eines Ereignisses, gerade in der Medienstadt, als die München ja gilt. Zwanzig waren es, dazu weit über hundert Journalisten.

Hoeneß war anzumerken, wie detailliert er sich vorbereitet hatte. Eine Mitarbeiterin der Pressestelle erzählte, man habe bis lange in die Nacht an dem Redemanuskript gearbeitet. "Ich muss Markus Hörwick sehr danken", sagte Hoeneß, denn der Bayern-Pressesprecher besorgte ihm die Unterlagen zum Thema und die Presseberichte der letzten Tage, arbeitete sie mit ihm durch und verfasste wohl auch die Erklärung, die Hoeneß verlas. Dann beantwortete er tapfer alle Nachfragen. Oft wirkte er, wenn er zwischendurch die Lippen zusammenkniff, als beiße er sich dahinter auf die Zunge. Nur nichts mehr sagen, was irgendwie gegen ihn ausgelegt werden könnte. Juristisch hat sich Hoeneß unter Assistenz seines geschulten Umfelds damit wohl gekonnt von allem befreit. Tatsache ist ja, er hat nur gesagt: "Wenn das alles Fakt ist, worüber geschrieben wurde, auch unwidersprochen über den verschnupften Daum, dann kann er nicht Bundestrainer werden." Zwischen den Zeilen war mehr zu lesen. So verfährt Hoeneß seit mehr als zwanzig Jahren. Jetzt musste er in die ungewohnte verbale Defensive: "Ich habe und hatte nicht vor, Herrn Daum zu diskreditieren." Hoeneß wirkte beinahe wie ein Zauberlehrling, der nun plötzlich mächtig erstaunt ist, was es da für Geister gibt, die er mit seinem launigen Ruf diesmal aufgescheucht hat.

Hoeneß schiebt alle Schuld von sich und auf die Medien. Wie ein Lausbub, der so manchen Streich mit den anderen verübt hat, aber sobald man erwischt wird und es Ärger gibt, dann waren es nur noch die anderen. "Ich habe keine Gerüchte gestreut. Und die Bombe habe ich auch nicht gezündet, das waren Journalisten." Vor einer Woche habe er aus Marbella veranlasst, dass Pressesprecher Hörwick schon mal "ein Dementi loslässt". Doch: "Das hat keiner ernst genommen, es hat ja nicht in die Story gepasst."

Zum Ende hin klang Hoeneß beinahe beleidigt: "Ich werde vorerst gar nichts mehr sagen." Und er sprach davon, dass er nun "vier Wochen in ein Sanatorium" müsse, dass er "keine Lust" habe, "sich weiteren Ärger einzuhandeln" und deshalb "künftig ziemlich ruhig sein" werde. So etwas hat Uli Hoeneß noch nie gesagt.

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