Affäre um WM 2006 : Politiker fordert von Beckenbauer "Mut zur Wahrheit"

Die Mitglieder des Sportausschusses drängen Franz Beckenbauer zum Reden - und einer von ihnen könnte DFB-Präsident werden

Magdalena Thiele
Zum Rotwerden? Franz Beckenbauer gehört den wenigen, die wirklich wissen, unter welchen Umständen die WM 2006 nach Deutschland kam. Foto: dpa
Zum Rotwerden? Franz Beckenbauer gehört den wenigen, die wirklich wissen, unter welchen Umständen die WM 2006 nach Deutschland...Foto: dpa

Die Politik verstärkt den Druck auf Franz Beckenbauer. Mehrere Mitglieder des Sportausschusses des Deutschen Bundestages forderten Beckenbauer auf Nachfrage des Tagesspiegels dazu auf, endlich Licht ins Dunkel der DFB-Machenschaften zu bringen. „Beckenbauer hat immer die Position des Libero gespielt, jetzt muss er in die Offensive gehen“, verlangt der SPD-Abgeordnete Matthias Schmidt.

Wie der Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Dienstag bekannt gab, soll Franz Beckenbauer selbst vier Tage vor Vergabe der WM 2006 eine vertragliche Vereinbarung mit dem damaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner unterschrieben haben. In diesem Dokument seien der Konföderation des stimmberechtigten Exekutivmitglieds „diverse Leistungen“ von deutscher Seite zugesagt worden, sagte Interimspräsident Rainer Koch.

 Derzeit wird nicht gegen Beckenbauer ermittelt. Da er auch kein offizielles Amt bekleidet, könne er nicht vom Sportausschuss vorgeladen werden, erklärt Ausschussmitglied André Hahn (DieLinke). Schaden genommen habe seine Person aber schon, als er seinem Freund Niersbach nicht geholfen habe. „Ich bin der Meinung, dass Herr Beckenbauer am meisten über diesen Skandal weiß. Er ist die Schlüsselfigur, die damals damals um die Welt getingelt ist, um für eine WM in Deutschland auf Stimmenfang zu gehen“, so Hahn weiter. „Er hat eine Verantwortung gegenüber dem deutschen Fußball.“ Zu einer großen Persönlichkeit gehöre schließlich auch der „Mut zur Wahrheit“.

Auch wenn die noch viel Aufklärungsarbeit von Seiten des DFB zu leisten ist, in puncto Franz Beckenbauer scheinen sich die meisten Mitglieder des Sportausschusses schon eine Meinung gebildet zu haben.  Auch Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen) appelliert an Beckenbauer, reinen Tisch zu machen. „Der Kaiser ist nackt, er hat es nur noch nicht gemerkt“, stellt Mutlu fest. Wenn die Weltmeisterschaft 2006 wirklich gekauft wurde, sei das zwar vorübergehend schmerzhaft, der DFB könne dann aber wieder nach vorne schauen. Der gesamte DFB sei dringend reformbedürftig. Den Rücktritt von Wolfgang Niersbach begrüße man deshalb sehr, heißt es von Seiten der Ausschussmitglieder.

Möglicher Nachfolger Niersbachs könnte ein Abgeordneter des Sportausschusses werden: der CDU-Abgeordnete und DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel. Voraussetzung dafür sei aber, dass Grindel als nun einen entscheidenden Beitrag zur Ausklärung aller Vorfälle liefere. Fest stehe außerdem die Tatsache, dass der DFB mit seinem Handeln das Vertrauen in die Organisation aller großen Sportereignisse erschüttert habe. Das könne auch negative Auswirkungen auf die anstehende Olympiabewerbung der Stadt Hamburg haben, über die bald abgestimmt wird. André Hahn befürchtet, das  Referendum werde wohl deutlich knapper ausfallen, als bisher erwartet - da sei "wieder alles offen“. „Da ist viel Porzellan zerschlagen worden, das kann auch ein Geständnis von Herrn Beckenbauer nicht so einfach kitten“.

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