Afrika-Cup : Die Mär vom guten Europäer

Beim Afrika-Cup wettern Trainer gegen Verbände. Zudem wird die Diskussion entfacht, ob afrikanische Trainer nicht besser für afrikanische Mannschaften sind als Europäer.

Olaf Jansen
Jubel im Kreise der Lieben. Stephen Keshi (Mitte).
Jubel im Kreise der Lieben. Stephen Keshi (Mitte).Foto: dpa

Stephen Keshi ist nicht bekannt dafür, den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Das hat er als Spieler nicht getan. Als Trainer macht er das schon gar nicht. „Europäische Trainer kommen hauptsächlich nach Afrika, um gutes Geld einzustecken“, sagte der 51-Jährige vor Beginn des diesjährigen Afrika-Cups. Keshi befeuerte damit eine altbekannte Diskussion: Wer ist für ein afrikanisches Team der bessere Trainer – ein Afrikaner oder ein Europäer?

Die meisten Verbandsbosse in Afrika trauen einheimischen Coaches nicht allzu viel zu, sie bedienen sich lieber auf dem europäischen oder südamerikanischen Markt. Beim diesjährigen Afrika-Cup wurden neun Teams von europäischen oder südamerikanischen Trainern betreut, nur sieben Teams hatten afrikanische Coaches. Vor allem die Entscheidung der Elfenbeinküste, das Team vom völlig unerfahrenen Franzosen Sabri Lamouchi betreuen zu lassen, hatte viele erregt. Lamouchi hatte noch nie zuvor einen Trainerjob.

Keshis These, wonach afrikanische Trainer genauso gut sind wie europäische, wurde im Laufe des Turniers von ihm selbst vielleicht am besten belegt. Dass Nigeria nun im Finale der Afrikameisterschaft gegen Burkina Faso antritt, wird vor allem des Trainers Geschick im Umgang mit den Spielern zugeschrieben. Keshi hatte den Mut, nicht nur auf im Ausland tätige Stars, sondern auch auf Talente aus der nigerianischen Liga zu setzen. „Meine Aufgabe ist es, die Jungs über sechs Wochen bei guter Laune und Motivation zu halten. So ein Turnier ist rein stimmungsmäßig ein Marathon, bei dem den meisten Teams irgendwann die Luft ausgeht“, sagte Keshi nach der Vorrunde.

Die hatte sein Team nur mit viel Glück überstanden. Es folgten dann aber Nigerias starke Leistungen gegen Turnierfavorit Elfenbeinküste im Viertelfinale (2:1) und das locker gewonnene Halbfinale gegen Mali (4:1). Beide Spiele bewiesen: Das westafrikanische Team hatte sich unter Keshi, der Nigeria 1994 als Spieler zum Sieg beim Afrika-Cup führte, vor allem mental glänzend auf die entscheidende Phase des Turniers eingestellt. Keshis Erfolg erlaubte es ihm, vor dem Finale nochmals zu wettern.

In Richtung der Vereinsoffiziellen sagte er: „Ich bin kein Rassist, versteht mich nicht falsch. Ich habe selbst viel von europäischen Trainern gelernt. Aber sag mir bitte nicht, dass ein junger europäischer Trainer mehr von diesem Geschäft versteht als ich.“ Mit seiner Meinung ist Keshi nicht allein. „Ich denke sogar, dass afrikanische Trainer für afrikanische Teams die besseren sind. Wir können uns viel besser in die Spieler hineindenken als Europäer“, sagte Ghanas Coach Kwesi Appiah. Voraussetzung sei allerdings die Unabhängigkeit der Trainer. „Viele gute afrikanische Teams sind in der Vergangenheit gescheitert, weil nicht nach Leistung, sondern nach ethnischer Herkunft und politischem Hintergrund aufgestellt wurde.“

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