Afrika-Cup : Die Welt zu Gast

Das kleine Land Äquatorialguinea will aus Gastgeber des Africa-Cups zu Ruhm kommen – und siegt zum Turnierbeginn mit einem eingebürgerten Team knapp mit 1:0 (0:0) gegen Libyen.

Olaf Jansen
Torschütze Javier "Rocky" Balboa jubelt gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen über seinen späten Siegtreffer.
Torschütze Javier "Rocky" Balboa jubelt gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen über seinen späten Siegtreffer.Foto: dpa

Der Zaun wackelte bereits, die Luft war von Tränengas geschwängert – lange hätten die Polizisten dem Druck der fanatischen Fußballfans kaum standgehalten. Um ein Haar hätte der Afrika-Cup schon vor dem Eröffnungsspiel ein Desaster erlebt. Nur eine Handvoll israelischer Sicherheitskräfte, die vor dem Auftakt zwischen Gastgeber Äquatorialguinea und Libyen entschieden, ein Haupttor des neu erbauten Stadions von Bata zu öffnen, das unter dem Druck hunderter Fans wankte, verhinderte vor dem Auftakt des Kontinentalturniers eine Massenpanik.
Nachdem der Afrika-Cup vor zwei Jahren in Angola wegen des bewaffneten Überfalls auf das Nationalteam Togos traurige Berühmtheit erlangt hat, scheint auch die diesjährige Auflage in Äquatorialguinea und Gabun nichts für schwache Nerven zu werden. Angesichts der Euphorie der Fans, die auch im Küstenort Bata wieder am Rande der Hysterie wandelte, dürften die Organisatoren am Ende froh gewesen sein, dass Äquatorialguinea gegen Libyen 1:0 gewann. Kaum auszudenken, welche Folgen eine Niederlage der Gastgeber für die aufgeheizte Stimmung in der überfüllten Arena gehabt hätte.
So war es Siegtorschütze Javier Balboa, genannt „Rocky“, der drei Minuten vor Schluss der Partie bei einem Konter des Gastgeberteams gegen die drängenden Libyer die Nerven behielt und mit seinem Siegtreffer eine ganze Nation in einem Freudentaumel versetzte. Der gebürtige Madrilene, dessen Eltern sich Anfang der achtziger Jahre nach Spanien abgesetzt hatten, verschaffte seinem Team somit auch eine Sonderprämie von einer Million US-Dollar. Die hatte der Sohn des Staatspräsidenten Teodoro Obiang Nguema Mbasogo für den Siegfall ausgesetzt, um die Motivation der Spieler zu steigern. „Ach, das Geld hat nicht den Ausschlag gegeben. Wir wollten für das Volk und für unser Land gewinnen. Das haben wir geschafft“, jubelte der Torschütze, der sogar schon einmal ein paar Spiele für Real Madrid bestritten hat.
Geld spielt – zumindest für die kleine Elite Äquatorialguineas – tatsächlich kaum eine Rolle. Das kleine Land mit seinen rund 1,2 Millionen Einwohnern verfügt über reiche Erdölvorräte vor der Küste. Die bescheren der diktatorisch geführten ehemaligen spanischen Kolonie immense Reichtümer. Präsident Obiang, dessen spendabler Sohn Obiang Mangue als Forstwirtschaftsminister fungiert, führt das westafrikanische Land nominell als parlamentarische Demokratie, handelt aber wie ein Diktator. Regelmäßige Menschenrechtsverletzungen und systematische Unterdrückung der Opposition führten Äquatorialguinea in die Rangliste der zehn weltweit korruptesten Staaten.
Nun soll der Fußball der kleinen Nation zu Ruhm und Ehre verhelfen. Dazu sind erstmalalle Mittel recht. Weil es aber weder eine funktionierende Liga noch organisierten Nachwuchsfußball im Land gibt, wurden vor dem Afrika-Cup leistungsstarke Spieler aus aller Welt für den derzeit 151. der Fifa-Weltrangliste zusammengesucht und kurzerhand eingebürgert. Gegen Libyen trat das Team des brasilianischen Coaches Gilson Paulo in der Startelf mit fünf gebürtigen Spaniern, zwei Spielern von der Elfenbeinküste und je einem aus Kamerun, Liberia, den Kapverden und Brasilien an.
Nachdem einige Konkurrenten in den Wochen vor dem Turnier leise Zweifel an den Spielberechtigungen einiger Akteure angemeldet hatten, wurden diese im Vorfeld des Turniers vom afrikanischen Fußballverband CAF kurzerhand beiseite gewischt. „Wenn wir allen Gerüchten folgen und den Spielberechtigungen sämtlicher afrikanischer Fußballer hinterher spionieren würden, könnten wir unseren Laden zumachen“, meinte am Tag vor Turnierbeginn CAF-Sprecher Yazid Ouahib nur lapidar.

Das Team ist trotz allem krasser Außenseiter, dennoch wird von Trainer Paulo erwartet, dass er zumindest das Halbfinale erreicht. Dabei arbeitet Paulo erst seit drei Wochen mit der Mannschaft, nachdem Vorgänger Henri Michel wegen der ständigen Einmischungen der Präsidentenfamilie zurückgetreten war. Der Auftaktsieg erhöht zumindest die Chancen, die hochtrabenden Ziele zu erreichen.

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