Afrika-Cup : Nigeria und Vogts nun gegen Ghana

Per Wunder ins Viertelfinale: Berti Vogts hat die Nationalmannschaft Nigerias in die Runde der letzten Acht geführt. Doch die Kritik an ihm verstummt nicht.

Olaf Jansen

AccraFans und Offizielle konnten ihr Glück kaum fassen. Dass Nigerias Fußball-Nationalmannschaft die nicht mehr für möglich gehaltene Qualifikation für das Viertelfinale des Afrika-Cups doch noch geschafft hatte, veranlasste den nigerianischen „Guardian“ tags darauf zu der euphorischen Überschrift: „Das Wunder ist geschehen“. Und Jungstar John Obi Mikel brachte die Gefühle der Spieler auf einen Nenner: „Wir sind aus der Haft entlassen. Jetzt wollen wir unsere neue Freiheit genießen.“ Der 20-Jährige vom FC Chelsea hatte gegen Benin das vorentscheidende 1:0 für das Team des früheren Bundestrainers Berti Vogts erzielt und damit in der 53. Minute des dritten Turnier-Auftritts den Bann gebrochen – es war das erste Tor der Super Eagles im Turnier. Nigeria siegte am Ende 2:0. Die bis dahin erbärmlich aufgetretene Mannschaft erreicht damit das Viertelfinale – allerdings nur dank der Mithilfe der Elfenbeinküste, die Mali 3:0 besiegte. Auch Kamerun erreichte mit dem deutschen Trainer Otto Pfister durch ein 3:0 (2:0) gegen den Sudan die Runde der letzten Acht.

Mikel und Osaze Odemwingie waren als offizielle Spielervertreter Nigerias zu der Pressekonferenz nach dem Spiel delegiert worden. Der Rest schweigt beharrlich. Pressesprecher Idah Peterside erklärte: „Nach der harschen Kritik in den Medien haben sich die Spieler zum Presseboykott entschlossen. Wir sind nicht glücklich darüber, aber man muss sie auch verstehen. Es sind auch nur Menschen, deren Gefühle verletzt worden sind.“

Fehlendes Ehrgefühl, kein Mut, technische und taktische Anfängerfehler waren der Mannschaft von der nigerianischen Presse vorgeworfen worden. Trainer Berti Vogts war quasi schon aus dem Amt geschrieben worden – kein Wunder, dass er sich ebenfalls der Presse verweigerte. „Was da ablief, das habe ich nicht nötig“, sagte Vogts bei „Eurosport“. „Würden weiße Journalisten mit einem schwarzen Trainer so umgehen, glaube ich, dass man von Rassismus sprechen würde.“ Auch nach dem Sieg verstummte die Kritik an dem 61-Jährigen nicht. Amaju Pinnick, Vorsitzender des Fußballverbandes der Delta Region, verlangt gar, dass Kapitän Nwankwo Kanu ab sofort als Spielertrainer übernehmen solle: „Vogts’ Art und Weise ist nicht unsere Art und Weise.“

Zumindest bis Sonntag ist Vogts allerdings noch im Amt. Dann trifft Nigeria im Viertelfinale in Accra auf den Gastgeber Ghana. John Obi Mikel warnt den Gegner: „Ab jetzt ist alles für uns möglich. Wir werden alles tun, um wieder glücklich zu werden.“Olaf Jansen

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