Sport : Agenda 2013

Trotz des 35:38 gegen Russland freuen sich Deutschlands Handballer: Heiner Brand bleibt Bundestrainer

Erik Eggers[Dortm]

Die Stimme des Hallensprechers Bernd Kaiser hob an vor dem Auftaktspiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft beim Supercup, um die frohe Botschaft zu verbreiten. „Begrüßen Sie den Mann, der auch die nächsten vier Jahre die Nationalmannschaft betreuen wird: Heiner Brand!“ Großer Jubel brandete auf in der Dortmunder Westfalenhalle, und hätte der Sprecher die korrekte Version geliefert, wäre er vermutlich noch größer ausgefallen. Der Bundestrainer verlängerte den Kontrakt mit dem Deutschen Handball-Bund (DHB) nämlich bis zum 30. Juni 2013. „Die Tätigkeit als Bundestrainer macht mir am meisten Spaß“, erklärte der 55-jährige Gummersbacher, der auch mit einem Engagement im Ausland geliebäugelt hatte. Leider hatten er und die nur 3500 Zuschauer nach dem Spiel weniger Grund zur Freude. 35:38 (17:16) verlor der Weltmeister sein Auftaktspiel gegen Russland.

Dass Brand weiterhin die Nationalmannschaft verantwortet, war gemeinhin erwartet worden. Die Vertragslaufzeit bis 2013 indes ist eine große Überraschung. Damit führt er das Aushängeschild des deutschen Handballs nicht nur zu den Olympischen Spielen 2008 nach Peking, sondern auch zu den Spielen 2012 in London und der WM im Januar 2013. „Als wir heute Vormittag davon erfuhren, war sofort große Freude da, es macht ja für alle Spaß, unter ihm zu trainieren“, berichtete Torwart Johannes Bitter. Auch der ehemalige Star Stefan Kretzschmar, der unter Brand unter anderem Vize-Weltmeister (2003) wurde und 2004 in Athen olympisches Silber gewann, freute sich. „Das ist super für den deutschen Handball“, sagte der Manager des SC Magdeburg, „und prinzipiell auch gut für den deutschen Sport.“

Mit der Vertragsverlängerung werden die Kompetenzen des Bundestrainers für den Bereich des männlichen Leistungssports ausgebaut. An den Problemen des deutschen Handballs, die Brand nach der WM in aller Deutlichkeit ansprach, hat sich indes bislang kaum etwas geändert. Immer noch gibt es nicht die von Brand vehement geforderte Ausländerbeschränkung; jeder deutsche Klub darf weiterhin so viele ausländische Profis einsetzen wie gewünscht. „Der Druck, den ich ausgeübt habe, hat bislang noch nicht viel geholfen“, räumte er nach Vertragsunterzeichnung ein, „aber ich werde auch in Zukunft meine Vorstellungen deutlich äußern, und das wird hoffentlich zum Erfolg führen.“

Einen Vorgeschmack auf künftige Auseinandersetzungen lieferte Brand bereits in dem Programmheft des Supercups. Darin kritisiert er das „Verhalten einiger Vertreter deutscher und europäischer Spitzenklubs, die lauthals eine Reduzierung der Nationalmannschaftstermine fordern“, mit scharfen Worten: Mit dem Wegfall jeder zweiten Europa- und Weltmeisterschaft, wie von der Klubvereinigung Group Club Handball gefordert, „riskieren sie einen erheblichen Einbruch der Bedeutung unserer Sportart“. Diese Forderung, flankiert von der nach einer finanziellen Beteiligung der Nationalverbände an den Kosten der Spieler, sei „purer Egoismus“ und mache ihn „sogar böse“.

Es wird interessant zu verfolgen sein, wie Brand in den Zeiten des kommerziellen Umbruchs, in der sich die Sportart Handball zweifelsfrei befindet, agieren wird – leichter wird es sicher nicht für ihn. Fest steht, dass kein anderer die Interessen des Deutschen Handball-Bundes besser und gezielter vertreten kann als Brand. Dabei helfen dem Bundestrainer die unglaublichen Popularitätswerte; nie war ein deutscher Handballer bekannter als Brand, der schon 1978 unter Vlado Stenzel als Spieler Weltmeister wurde. Dazu gilt er mit seiner bodenständigen Art als sehr glaubwürdig. Und sein Ruf als Trainer ist jetzt schon legendär.

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