Sport : Agenda Sport

Robert Ide

über die Aufgaben eines neuen Ministers Otto Schily hat zuletzt mehrmals dementieren müssen, dass er Sportfunktionär wird. Derart intensiv hatte er sich als SPD-Innenminister des Sports – nicht der wichtigste Bereich seines Ministeriums – angenommen, dass sich viele Verbandspolitik ohne Schily kaum vorstellen konnten. Das müssen sie nun aber. Das Innenministerium geht unter der neuen schwarz-roten Regierung an die Union. Muss die jetzt einfach so weitermachen, wie Schily aufgehört hat?

Auf den ersten Blick ja. Rot-Grün hat die gesellschaftliche Bedeutung des Sports erkannt und für sich zu nutzen gewusst – nicht nur bei der Vorbereitung der Fußball-WM, die sogar ein Wahlkampfschlager 2006 werden sollte. Eine sportaffine Politik stünde einem neuen Innenminister gut an, denn langfristig sparen die Vereine dem Staat viel Geld: in der Jugendpolitik, im Gesundheitsbereich. Es war richtig, die Förderung des Sports trotz Sparzwängen nur geringfügig zu beschneiden. Das fortzusetzen erfordert politische Durchsetzungskraft.

Oft hat sich Schily persönlich eingemischt – bei der (vergeblichen) Rettung der Leipziger Olympiabewerbung oder der jetzt geplanten Fusion der Sportverbände. Diese Interventionen hatten manche Verbandsfürsten nötig, doch in Zukunft wäre es wünschenswert, dass die Autonomie des Sports wieder etwas mehr sichtbar wird. Ob sich Deutschland in Zukunft um Olympische Spiele bewirbt (im Sommer?, im Winter?), sollte erst der Sport entscheiden, dann die Politik.

Natürlich kann die Politik den Verbänden helfen: im Kampf gegen Doping oder bei der Organisation des Jahrhundertereignisses Fußball-WM. Als politische Bühne ist der Sport dennoch selten geeignet. Den Rahmen zur Förderung von Vereinen und Spitzenathleten zu erhalten, ohne ihn zu sprengen, sollte das sportliche Ziel eines neuen Innenministers sein.

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