Sport : Ailton auf Abwegen

Bremens brasilianischer Torjäger macht sich angreif- und auswechselbar

Frank Hellmann

Bremen. Nur mit Unterhemd und Hose bekleidet, Schuhe und Trikot ausgezogen, stapfte Ailton am Sonntagabend nach dem 0:0 gegen Hannover 96 in die Kabine. Seit zwei Spielen hat er kein Tor geschossen, zweimal ausgewechselt, frustriert mit allem und sich selbst. Der 30-jährige Torjäger ist Symbol der momentanen Bremer (Sturm-)Schwäche.

Wenn Sportdirektor Klaus Allofs sagt, „im Moment haben einige nicht die brillante Form der Hinrunde“, ist damit vor allem Ailton gemeint. Ein Stürmer stößt an seine Grenzen, vor allem dann, wenn Kontrahenten tief und mittig stehen, die Räume verstellen und die Zweikämpfe suchen, ehe Ailton überhaupt an den Ball kommt. In einer Halbzeit gegen Hannover passierte das nur sechsmal. Was auch an ihm selbst liegt: Er trägt seine Rückennummer 32 derzeit spazieren, läuft wenig, und wenn dann meist ins Abseits. Kommen die Pässe nicht in den Fuß, hebt die Diva den Arm und meckert.

„Gerade von Ailton und Klasnic muss mehr kommen“, fordert Allofs, der da mit Trainer Thomas Schaaf konform geht. Nur drückt es der Trainer weniger drastisch aus: „Bei Toni hängt immer viel davon ab, ob er das Tor macht. Wir wissen, was wir an ihm haben.“ Aber: Sowohl in Frankfurt als auch gegen Hannover ersetzte Schaaf sein Sturmduo Ailton/Klasnic vorzeitig durch Angelos Charisteas und Nelson Valdez. Droht Ailton die Bank? „Pah“, sagt der Kritisierte und kündigt an: „Ich treffe. Und dann ist Ruhe.“ Bislang war die Beziehung Schaaf-Ailton von gegenseitigem Respekt geprägt.

Der Fußball-Lehrer wusste bislang stets genau, wie er seinen sensiblen Farmersohn, der des Lesens und Schreibens nicht richtig mächtig ist, zu behandeln hatte. Mal gab es eine Geldstrafe, mal wieder Streicheleinheiten. In Bochum nächsten Sonntag wird der Trainer Ailton ein weiteres Mal vertrauen. Doch in Bremen registrieren sie mit Argwohn, dass es der Star allzu locker angehen lässt.

Lebenspartnerin Rosalie ist längst in Gelsenkirchen auf Wohnungssuche, Ailton begreift seine finalen Wochen an der Weser eher als fröhliches Schaulaufen denn als ernsthafte Arbeit. Zu den Trainingseinheiten kommt er meist als Letzter. Und auch das Üben selbst ist eher Spaßbetrieb für den Luststürmer. Entzweit Ailton den Spitzenreiter? Valérien Ismael, ehrgeiziger Wortführer an der Weser, hält von der vorzeitigen Verbannung des besten Torschützen wenig. „Was unsere Stürmer jetzt brauchen, ist Vertrauen. Wenn wir Meister werden wollen, müssen wir wieder Tore schießen.“ Eine Aufgabe, für die in Bremen nun mal zuvorderst Ailton zuständig ist.

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