Sport : Ailton null, Bremen null

Werder spielt 0:0 in Schalke und büßt zwei Punkte Vorsprung auf die Bayern ein

Felix Meininghaus

Gelsenkirchen. Vor Spielbeginn waren alle Augen auf das stämmige Kerlchen mit der Nummer 32 auf dem grün-orangenen Trikot gerichtet: Was würde Bremens Torjäger Ailton in der Schalker Arena bei seinem künftigen Arbeitgeber zu Wege bringen? Ein Treffer ist weder Ailton noch einem anderen Akteur geglückt, aber bereits nach fünf Minuten Spielzeit lieferte der kleine Brasilianer einen ersten Nachweis seiner Gefährlichkeit: Ballannahme, kurze Drehung und schon strich der Ball haarscharf am langen Eck des Schalker Tores vorbei. Danach ließ es Ailton geruhsamer angehen und mit ihm seine Bremer Kollegen. Nur einmal in der ersten Halbzeit trat der erfolgreichste Bundesliga-Torschütze noch in Erscheinung, als er von Nico van Kerckhoven elfmeterreif zu Fall gebracht wurde.

Werder zeigte beim torlosen Unentschieden vor 61 127 Zuschauern in der ausverkauften Arena Auf Schalke die größere spielerische Reife, aber es fehlte die letzte Konsequenz beim Spiel in die Spitze. Vor allem Spielmacher Johan Micoud gelang es nicht, die Bremer Stürmer in Szene zu setzen. Zudem monierte Werders Manager Klaus Allofs die „fehlende Genauigkeit in unserem Passspiel. Das muss besser werden.“

Die Partie in Gelsenkirchen war für Bremen bereits die zwölfte in Folge ohne Niederlage. Dass es vor dem Seitenwechsel keinen Rückstand gab, war vor allem das Verdienst von Torhüter Andreas Reinke, der gegen Gerald Asamoah und den 18-jährigen Michael Delura, der zu seinem ersten Bundesligaspiel von Beginn an kam , glänzend parierte. Der fahrlässige Umgang mit den eigenen Chancen war das Einzige, was Schalkes Trainer Jupp Heynckes an seiner Mannschaft zu kritisieren hatte: „Gegen eine Mannschaft, die so homogen wirkt wie Werder Bremen, musst du deine Chancen besser nutzen."

Hochklassiger wurde das Aufeinandertreffen der beiden zurzeit erfolgreichsten Bundesligateams auch in der zweiten Hälfte nicht. Werder beschränkte sich darauf, das eigene Tor zu sichern. Ein Punkt, so der Eindruck, schien dem Spitzenreiter auf Schalke zu genügen. Erst in der Schlussphase lockerte das Team von Thomas Schaaf die Deckung und hatte prompt durch Micoud und Ivan Klasnic die Möglichkeit, das Spiel zu entscheiden. Doch dieses Mal gelang kein Treffer in letzter Minute. Dennoch spricht es für die Qualität des Titelfavoriten, dass er in der Lage ist, das Spiel auf gegnerischem Terrain zu kontrollieren, um dann in der letzten Viertelstunde noch einen Gang hochzuschalten.

Daran, ob das Unentschieden im Revier als Gewinn oder Verlust zu Buche schlägt, schieden sich nach dem Abpfiff die Geister: „Wenn du hörst, dass die Bayern in der 87. Minute das 1:0 gemacht haben, reicht der Punkt nicht“, sagte Klasnic. Sein Trainer beurteilte die Lage ein wenig anders: „Entscheidend ist doch, dass wir nicht verloren haben“, sagte Schaaf mit der ihm eigenen Gelassenheit: „Mit dem Punkt können wir zufrieden sein.“

Manndecker Mladen Krstajic, der in der kommenden Saison wie Ailton das Schalker Trikot tragen wird, will erst „nächste Woche nach dem schweren Heimspiel gegen Dortmund“ entscheiden, ob er das Unentschieden von Gelsenkirchen als Erfolg verbucht. „Dann kann ich mehr sagen.“ Grundsätzlich hat sich nach der Dienstfahrt ins Revier am positiven Denken im Bremer Lager jedoch nichts geändert: „Ich glaube“, sagt Krstajic, „dass wir auf alle Fälle Meister werden.“

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