Sport : Akribischer Inspektor

Bernhard Langer spielt zum 30. Mal beim Masters mit und teilt seine Erfahrungen auch mit Martin Kaymer.

von
Ich hab’s dir doch gesagt, dass es so geht. Bernhard Langer (l). und Martin Kaymer auf einer Trainingsrunde in Augusta. Foto: AFP
Ich hab’s dir doch gesagt, dass es so geht. Bernhard Langer (l). und Martin Kaymer auf einer Trainingsrunde in Augusta. Foto: AFPFoto: AFP

Augusta - „Mein Ziel ist es zu gewinnen.“ Nein, Bernhard Langer macht keine Scherze. Nicht hier, nicht in Augusta, nicht auf dem Platz, wo er 1985 und 1993 das US Masters gewann. Es ist Donnerstagabend. Ein schwülheißer Tag geht zu Ende. Als Langer nach 18 Löchern die Kappe vom Kopf zieht, hat er eins unter Par gespielt, er belegt Rang 23, eine gute Ausgangslage für die weiteren Tage. Die stundenlange Konzentration steht ihm ins Gesicht geschrieben. Bei einem Turnier wie dem Masters geht der 55-Jährige in vielerlei Hinsicht an seine Grenzen.

In Sachen Ausdauer hält er mit den jüngeren Kollegen problemlos mit. Seinen Fitnessplan befolgt er seit Jahrzehnten. Zwei bis vier Stunden tägliches Training plus regelmäßige 18-Löcher-Runden sind zu Hause in Florida Standard. „Bei Turnieren komme ich immer auf sieben bis zehn Stunden am Tag“, sagt Langer. Ein Ausnahmeathlet aber ist der Deutsche, wenn es um Konzentration, Genauigkeit und Strategie geht. „Egal was kommt, er ist immer top vorbereitet“, hat der junge Kollege Martin Kaymer nach diversen Trainingseinheiten mit Langer erkannt. Akribisch hat ihm Langer diese Woche die Herangehensweise an ein paar spezielle Grüns erklärt. „Da kamen Kleinigkeiten auf, über die ich mir noch gar keine Gedanken gemacht habe“, stellte der 28-Jährige überrascht fest.

Langers Golfwelt war immer von Detailwissen geprägt. Wissensvorsprung ist auf einem Platz wie Augusta National mit seinen komplizierten Grünsituationen und strategisch platzierten Bäumen womöglich der erste Schritt zum Sieg. Auch deshalb hat sich Langer das 14. Grün zu Beginn dieser Woche noch einmal genau vorgenommen, obwohl es bei erster Betrachtung eigentlich nicht anders aussieht als in den Jahren zuvor. Nach dem letzten US Masters wurde es abgerissen, nach Computerbildern aber eigentlich identisch wieder aufgebaut. Doch die Inspektion hat sich gelohnt: Am Donnerstag spielte er eben dort ein Birdie. Das zweite in Folge, nachdem er auf dem 13. Loch sogar eine Chance zum Eagle hatte.

Dabei war seine Ausgangslage nach dem Abschlag nicht wirklich berauschend. Gut 40 Meter hinter dem Ball des Schweden Hendrik Stenson, 20 Meter hinter Lucas Glovers Position, kam Langers Ball zum Liegen. Langer kennt das, er hat die Tatsache, dass Augusta Nationals Länge eigentlich auf das Spiel der jugendlichen Longhitter abzielt, in seine Strategie integriert. „Ich habe hier seit vier Tagen ständig lange Schläger in der Hand, das habe ich vorher gewusst.“ Ständig den kürzesten Abschlag zu haben, Loch für Loch 20 Meter und mehr hinter den Mitspielern zu liegen, kann extrem demoralisierend wirken. Langer aber wäre nicht Langer, würde ihn diese Tatsache frustrieren. Vielmehr geht er aus dieser Defensivposition heraus aufs Ganze. „Ich spiele auf Angriff, egal was passiert.“

Mithalten kann er mit den jungen Kollegen allemal. Die Tatsache, dass er auf der regulären PGA Tour ab und an noch Siegeschancen hätte, ist ihm voll bewusst. „Aber ich will da gar nicht mehr hin“, erklärt er die Tatsache, dass er fast ausschließlich die Seniorenturniere der Champions Tour bestreitet. „Ich habe da Spaß.“ Und reichlich Erfolg. In den vergangenen fünf Jahren hat Langer viermal zum Jahresende die Geldrangliste angeführt, inzwischen 17-mal gesiegt. In diesem Jahr hat er fünf Turniere bestritten, einmal gewonnen, drei weitere Platzierungen unter den besten fünf belegt. „Viel besser geht’s kaum“, sagt Langer. Vielleicht sind es all diese Erfolge, die dazu führen, dass er im 41. Jahr seiner Profikarriere feststellt, nie Motivationsprobleme gehabt zu haben. „Ich will der Beste sein, der ich sein kann.“ Schließlich sei sein Golf heute nicht schlechter als vor zwanzig Jahren.

Am Donnerstag hat er seine 101. Masters-Runde absolviert. Es hätte die 1000. sein können – er hätte das 14. Grün trotzdem genau inspiziert. Petra Himmel

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben