Sport : Akten über Akten

Der Wettskandal ist längst nicht vorbei – die Gerichte wird er noch eine Weile beschäftigen

Steffen Hudemann

Berlin - Der Fall Paderborn schien für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) eigentlich schon abgeschlossen. Im März stellte der DFB-Kontrollausschuss das Verfahren gegen 19 Spieler und einen Mannschaftsbetreuer des SC Paderborn ein – gegen Zahlung eines Betrags für wohltätige Organisationen. Der Spieler Thijs Waterink wurde bis zum 31. Juli gesperrt. Waterink hatte zugegeben, von einem „südländisch anmutenden Mann“ 10 000 Euro Siegprämie erhalten zu haben, die er unter seinen Mannschaftskollegen verteilt hat.

Die Meldung, dass Schiedsrichter Robert Hoyzer das Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV (4:2) manipuliert habe, löste vor fast genau einem halben Jahr den Fußball-Wettskandal aus. Die Hoffnung, den Skandal im Jahr vor der WM schnell zu den Akten legen zu können, hat sich nicht erfüllt. Am Mittwoch kam wieder ein neuer Verdacht auf. In Paderborn ist vielleicht mehr als ein Spiel manipuliert worden. Der ehemalige Paderborner Spieler Andreas Zimmermann soll 2004 vor dem Spiel gegen Schalkes Amateure (4:2 für Paderborn) vom mutmaßlichen Wettbetrüger Ante S. 10 000 Euro erhalten haben, die er sich mit seinen Mitspielern geteilt haben soll. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte, dass gegen Zimmermann ermittelt wird.

Es war zuletzt nicht mehr viel über den Wettskandal zu lesen, den die Wettanbieter Schiedsrichter-Skandal nennen. Das DFB-Sportgericht und die ordentlichen Gerichte wird er aber noch weit in die WM-Vorsaison hinein beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen 25 Personen. Gegen sechs Verdächtige hat die Behörde Anklage erhoben. Die ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer und Dominik Marks, der Chemnitzer Steffen Karl sowie Ante, Milan und Filip S. aus dem „Café King“, in dem Fußballwetten verabredet worden sein sollen, werden sich vermutlich ab Oktober vor Gericht verantworten müssen. Ihnen wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Die Anklageschrift umfasst 289 Seiten.

Die Verfahren gegen sechs weitere Beschuldigte sind eingestellt worden. Der Tatverdacht gegen sie hat sich im Zuge der Ermittlungen nicht erhärtet. Bei den zu Unrecht verdächtigten Spielern handelt es sich um den Cottbuser Torwart Tomislav Piplica, Laurentiu-Aurelian Reghecampf (ehemals Cottbus, jetzt Aachen), Bruno Akrapovic (Offenbach), Maik Wagefeld (ehemals Dresden, jetzt Nürnberg) sowie die Dresdner Volker Oppitz und Thomas Neubert.

Unabhängig von der strafrechtlichen Verfolgung stehen die verbandsinternen Sanktionen des DFB. Zwar haben der anklagende Kontrollausschuss und das Sportgericht Einblick in die Akten der Staatsanwaltschaft, aber die Verfahren sind nicht unbedingt deckungsgleich. Der Schiedsrichter Torsten Koop wurde zum Beispiel für drei Monate gesperrt, weil er den DFB zu spät über einen Anwerbeversuch Robert Hoyzers informiert hatte – ein strafrechtlich belangloses Verhalten, das in den Augen des DFB allerdings ein Vergehen darstellt.

Robert Hoyzer ist schon im April aus dem DFB ausgeschlossen worden. Sein früherer Kollege Dominik Marks hat sich durch seinen Austritt aus seinem Klub Lok Stendal – und damit auch aus dem Deutschen Fußball-Bund – der Sportgerichtsbarkeit vorerst entzogen. Das Verfahren ruht und „würde wieder aufgenommen, wenn Marks wieder in einen neuen Verein einträte“, sagt Rainer Koch, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts. Gegen den Dresdner Schiedsrichterbetreuer Wieland Ziller und den Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen hat der Kontrollausschuss ebenfalls Anklage erhoben. Chefankläger Horst Hilpert hat eine Vorsperre beantragt und fordert einen Verbandsausschluss auf Lebenszeit. „In beiden Fällen sammeln wir noch Beweise“, sagt Koch. Jansen ist nach Medienberichten inzwischen entlastet. Ziller habe für Jansen bestimmtes Geld nicht an den Schiedsrichter weitergegeben, bestätigte nach den ersten Veröffentlichungen auch Ziller selbst.

Zudem hat der Kontrollausschuss des DFB gegen sechs Spieler eine Vorsperre, ein vorläufiges Spielverbot, beantragt. Die Chemnitzer Steffen Karl und Markus Ahlf, Ronny Kujat von Sachsen Leipzig sowie dessen ehemalige Mitspieler Torsten Bittermann, Ronny Thielemann und Marco Eckstein seien „dringend verdächtig, sich eines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht zu haben“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Mit einer Entscheidung wird in den kommenden Wochen gerechnet.

Chefankläger Horst Hilpert ist in diesen Tagen im Ausland unterwegs und war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wenn er wieder zurück ist, wird neue Arbeit auf ihn zukommen.

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