Sport : Aktenzeichen ungelöst

Warum der Istaf-Faxfälscher immer noch nicht bekannt ist

Frank Bachner

Tanja Haug ist ein geduldiger Mensch, das bringt der Beruf mit sich; Tanja Haug ist Rechtsanwältin. Aber alles hat eine Grenze, findet sie. „Wir können nicht nachvollziehen, dass dieses Ermittlungsverfahren so lange dauert, bei allem Verständnis für die Belastung der Berliner Justiz“, sagt die Justitiarin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Seit mehr als einem Jahr sucht ein Staatsanwalt jetzt schon den Fälscher des so genannten Istaf-Fax, ein Ende ist nicht in Sicht. „Die Ermittlungen dauern an“, teilte Justizpressesprecher Björn Retzlaff gestern mit.

Am 12. April 2002 hatte Haug im Namen des DLV Anzeige gegen den Fax-Fälscher eingereicht, der die Bewerbung Berlins um die Leichtathletik-WM 2005 erheblich gestört hatte. In Nairobi fand die Abstimmung über den WM-Ort statt, als plötzlich das Fax mit offiziellem Istaf-Briefkopf in Kenias Hauptstadt eintraf. Der Autor, ein Istaf-Insider, wollte mit haltlosen Vorwürfen gegen Berliner Politiker die WM-Bewerbung sabotieren. Es war die Rache für eine angeblich mangelhafte Unterstützung des Istaf 2002 durch die Politik. Denn der Ausrichter des größten deutschen Leichtathletik-Meetings, die Istaf GmbH, musste unmittelbar vor der WM-Vergabe Insolvenz anmelden. Der Regierende Bürgermeister war in Nairobi, und er fühlte sich blamiert.

„Politisch motivierte Ausrede“

Nur: Weshalb eigentlich ist Aktenzeichen 93Js1552/02, unter dem Staatsanwalt Vollmer gegen den Fälscher ermittelt, noch immer ungelöst? Es wäre, sagt der Berliner Therapeut Hartwig Marx, mit einem Telefonanruf zu lösen. Im Übrigen schon seit dem 17. April 2002. Damals wurde bekannt, dass sich der Fälscher in Gewissensnot dem Therapeuten Hartwig Marx offenbart hatte. Und weil der Fax-Autor ein schlechtes Gewissen gegenüber den betroffenen Politikern hatte, darf Marx seither den Namen des Fälschers nennen, allerdings nur Wowereit, dem Sportsenator Böger oder einem Politiker ähnlichen Ranges. Doch die Politiker, die nach der Schlappe von Berlin bei der WM-Vergabe – der Zuschlag ging an Helsiniki – eine Aufklärung der Affäre forderten, halten sich zurück. „Es ist ausschließlich Aufgabe der Staatsanwaltschaft und der zuständigen Stellen, die Sachverhalte und Vorwürfe aufzuklären“, sagt Thomas John, der Pressesprecher von Sportsenator Böger. Ähnlich äußert sich wiederholt Wowereits Sprecher Michael Donnermeyer. Die Argumentation ist seit Monaten nicht neu. Doch für einen Vorsitzenden Richter am Landgericht Berlin „ist das eine politisch motivierte Ausrede“. Er stellte klar: „ Eine Nachfrage würde die Ermittlungen sogar erheblich beschleunigen. Rechtlich gibt es für einen Anruf keine Hinderungsgründe. Viel interessanter ist, weshalb die den Namen nicht hören wollen.“

Die Frage ist ungeklärt. Der zuständige Staatsanwalt beantragte bei einer Ermittlungsrichterin sogar einen Durchsuchungsbefehl bei Therapeut Marx. Die Richterin lehnte ab. Ausführlich vernommen wurde auch der ehemalige Istaf-Mitarbeiter Klaus-Peter Nowack. Dieser hatte an Eides statt verkündet, Ex-Meeting-Direktor Franke habe ihm gestanden, er, Franke, sei der Fälscher. Franke bestreitet dies entschieden.

Und nun drehen sich die Ermittlungen im Kreis. „Sie hängen an einem Zeugen“, sagt Justizsprecher Retzlaff. An Marx. Doch der schweigt gegenüber Vollmer. Bleibt die Politik. Doch solange die an der Aufklärung nicht wirklich interessiert ist, dürfte Aktzeichen 93Js1552/02 noch lange ungelöst bleiben.

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