Sport : Aktivist des kubanischen Fußballs (Glosse)

Ulrich Kaiser

Dieses ist die garantiert letzte Geschichte über einen Mann namens Diego Maradona - es sei denn, er wird offizieller Nachfolger von Fidel Castro oder Botschafter der Fifa im Vatikan. Bekanntlich ist Maradona eine ehemaliger Fußballspieler, der in Argentinien zu Hause ist und unter anderem auch deswegen sehr berühmt wurde, weil er einen offenen und weltweit sichtbaren Betrug vollzog.

Diego Maradona war ein außergewöhnlich guter Fußballspieler, was nie jemand bestritten hat, und in Argentinien wurde er vergöttert, bevor es ihn nach Neapel verschlug, wo er angeblich mit Leuten Kontakt hatte, deren Namen auch auf Fahndungslisten zu finden sind. Es heißt, seine frappierende Fertigkeit, mit einem Fußball umzugehen, sei zum großen Teil auf seinen kurzen Körperwuchs zurückzuführen und einem deshalb logischen tiefen Schwerpunkt. Heute liegt dieser Schwerpunkt noch tiefer, denn Diego Maradona ist ein fetter 39-jähriger Mann geworden. Was den Betrug anbelangt, der einen weltweiten Bekanntheitsgrad unter den Fußballfans erlangte, so geschah er während der WM 1986 in Mexiko bei einem Spiel gegen England: Der kurze Maradona vermochte nicht hoch genug zu springen, und deshalb boxte er mit der Faust einen Ball ins Tor der anderen. Der Schiedsrichter erkannte das nicht oder getraute sich nicht oder war von so viel Unverfrorenheit überrascht - auf jeden Fall blieb das Tor gültig, und Diego Maradona behauptete auf alle diesbezüglichen Fragen, es sei die Hand Gottes gewesen, die ihm geholfen habe. Übrigens war die Fifa von dieser Tat so angetan, dass sie sogleich diesen Diego Maradona zum Spieler des Jahres oder des Jahrzehnts kürte. Damals haben die Kinder in allen Hinterhöfen dieser Welt beim Kicken Maradona nachgeeifert, was häufig zu Prügeleien führte, weil die Hand Gottes allzu offensichtlich nachgeahmt wurde. Wahrscheinlich hat sich das fortgesetzt bis die Kinder erwachsen wurden und in den großen Stadien antreten durften. Den Regelexperten der Fifa wurde das zu viel und deshalb haben sie schließlich für das Spielen mit der Hand die gleiche gelbe Karte eingeführt wie für die verschärfte Blutgrätsche, was vielen Beobachtern mitunter recht unverständlich erscheint. Aber irgendwie ist das ja logisch.

Zurück zu Maradona. Kürzlich wurden von ihm Bilder öffentlich vorgezeigt, die einen kleinen dicken Mann zeigen, der gegen einen Ball kickt, von dem man nicht weiß, wo er hinfliegen wird. Jetzt ist er garade in Kuba, wo er sich einer längeren Entziehungskur unterzieht - entweder handelt es sich dabei um eine Entziehung von Alkohol, Kokain oder Vielfresserei. Es kann natürlich auch sein, dass er sich dort das Schießen mit Kleinkalibergewehren auf Passanten oder Prügeleien mit Fotografen abgewöhnen will. So ganz genau weiß das niemand, denn Maradona hat gesagt, er werde jetzt dafür sorgen, dass Fußball auf Kuba als Nationalsport angesehen wird. Dieses Versprechen hat dazu geführt, dass der Sportminister im Auftrag Fidel Castros dem Diego Maradona den Titel "Aktivist des kubanischen Fußballs" verliehen hat. Das ist ein Ehrentitel, den man dem Maradona von ganzem Herzen gönnt. Vor allem in dieser letzten Geschichte über ihn.

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