Sport : Alarmstufe Rot in Spanien

Weltmeister muss um WM-Teilnahme kämpfen.

Ausgebremst. Der Finne Pukki (l.) hält Cazorla auf und trifft spät zum 1:1. Foto: AFP Foto: AFP
Ausgebremst. Der Finne Pukki (l.) hält Cazorla auf und trifft spät zum 1:1. Foto: AFPFoto: AFP

Madrid - Spanien zittert. Nach dem blamablen 1:1 am Freitagabend gegen Außenseiter Finnland muss der Welt- und Europameister nun am kommenden Dienstag beim Spitzenspiel in Frankreich unbedingt gewinnen, um im Kampf um die direkte Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien wieder Erster der Gruppe I zu werden. Der Schalker Teemo Pukki stürzte mit seinem Ausgleichstor in der 79. Minute spanische Fans und Medien in kollektive Verzweiflung. „Alarmstufe Rot!“ und „Die WM ist in Gefahr!“, warnten die Zeitungen „Sport“ und „Mundo Deportivo“ am Samstag jeweils groß auf Seite eins.

Trainer Vicente del Bosque verstand nach dem Abpfiff die Welt nicht mehr. „Die Strafe war zu groß. Dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben, ist eigentlich unmöglich. Wir waren so dominierend, dass auch die Abwehrspieler zeitweilig nur ans Stürmen gedacht haben“, sagte der Welttrainer des Jahres 2012 niedergeschlagen.

Die Gastgeber waren im mit 30 000 Zuschauern ausverkauften Stadion El Molinón in Gijón tatsächlich über 90 Minuten haushoch überlegen. Dennoch hatte die mit sieben Stars des FC Barcelona aufgelaufene Mannschaft größte Mühe, gegen die tief stehenden Gäste klare Chancen herauszuspielen. „Finnland ließ uns erfrieren“, schrieb die Zeitung „Marca“.

Kein Wunder, dass es Real-Madrid-Verteidiger Sergio Ramos war, der in seinem 100. Länderspiel in der 49. Minute per Kopfball den Bann brach. Als sich alle in Spanien bereits mit den mühsam errungenen drei Punkten zufriedengaben, kam beim ersten gefährlichen Konter der Nordeuropäer der eiskalte Schock durch Pukkis sechstes Tor im 21. Länderspiel. Finnlands Trainer Mixu Paatelainen schämte sich seiner erfolgreichen Verhinderungstaktik überhaupt nicht. „Gegen Spanien kannst du nur etwas holen, wenn du dich mit Mann und Maus hinten reinstellst. Das ist ja ein wunderbares Superteam.“ Spaniens Rekordtorschütze David Villa (52 Treffer in 86 Länderspielen) räumte ein, dass in der spanischen Umkleidekabine alle „sehr wütend“ gewesen seien. „Wenn man auf diese Weise zwei Punkte verliert, ist das natürlich schwer zu verdauen.“ Jetzt erst recht, laute aber nun die Devise für die verbleibenden vier Spiele, sagte der 31-Jährige vom FC Barcelona. „Wir hatten ohnehin vor, in Frankreich zu gewinnen.“

Auch Del Bosque und Ramos versicherten, ein Sieg in Paris sei möglich, auch wenn der nach dem Gijón-Spiel angeschlagene Linksverteidiger Jordi Alba wahrscheinlich am Dienstag im Stade de France nicht mit von der Partie sein wird. Dafür hofft man in Spanien, dass der gegen Finnland geschonte Spielmacher Xavi wieder fit wird.

Nach der Hälfte der Qualifikationsspiele liegt Frankreich mit zehn Punkten zwei Zähler vor Spanien an der Spitze der Gruppe I. Die Franzosen bezwangen Georgien im Stade de France durch Tore von Olivier Giroud, Matthieu Valbuena und dem Bayern-Flügelstürmer Franck Ribéry bei einem Gegentreffer von Alexander Kobakhidze mit 3:1. In Frankreich wurde vor allem die Blamage der Spanier laut gefeiert. „Ist klasse für uns“, sagte Valbuena. Das Sportblatt „L’Équipe“ bezeichnete den Spanien-Patzer als „Coup des Jahres“ und schrieb: „So viel hatten wir nicht erwartet.“ Im Hinspiel Mitte Oktober in Madrid gab es ein 1:1, die Franzosen glichen damals in letzter Minute aus. Nun müssen die Spanier wohl siegen, um nicht in die Play-offs zu müssen. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben