Alba Berlin : 13 Spiele Geduld

Mit der Verpflichtung des Slowenen Uros Slokar stellt Alba sein Konzept der Entwicklung junger Spieler in Frage. Mithat Demirel findet jedoch nicht, dass die Verpflichtung Slokars das neue Konzept des Vereins unglaubwürdig macht.

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Finger weg von meinem Ball: Der Slowene Uros Slokar (l.) soll auf der wichtigen Center-Position die Lücke schließen, die sich durch die Verletzung von Leon Radosevic aufgetan hat.
Finger weg von meinem Ball: Der Slowene Uros Slokar (l.) soll auf der wichtigen Center-Position die Lücke schließen, die sich...Foto: imago

Am Freitag hat der Basketballprofi Uros Slokar einen guten Eindruck seines Kurzzeit-Engagements bei Alba Berlin erhalten. Der 2,10 Meter große Slowene landete um kurz vor zwölf Uhr in Berlin-Tegel, eilte zum medizinischen Check ins Unfallkrankenhaus Marzahn, hetzte weiter in die Schützenstraße in Berlin-Mitte, wo er gegen 15.30 Uhr im Mannschaftsbus zum Flughafen Tegel saß. Ähnlich atemlos werden wohl auch die nächsten sechs Wochen für Uros Slokar verlaufen. Der neue Center muss eine neue Stadt, eine neue Mannschaft, neue Spielsysteme kennenlernen, 13 Spiele absolvieren und am 15. Dezember wieder im Flugzeug nach Slowenien sitzen. Ist das sinnvoll? Zumal Alba in dieser Saison eben nicht auf ältere Durchreisende, sondern auf die Entwicklung junger Spieler setzen wollte?

Mithat Demirel findet nicht, dass die Verpflichtung Slokars das neue Konzept des Vereins unglaubwürdig macht. „Wir haben ihn geholt, gerade weil wir Geduld mit unseren jungen Spielern haben“, sagt Albas Sportdirektor. Nach der Verletzung von Leon Radosevic standen dem Klub nur noch der 23 Jahre Jonas Wohlfahrt-Bottermann und der Kanadier Levon Kendall auf der Centerposition zur Verfügung. „Wir wollen Jonas Wohlfahrt-Bottermann nicht verheizen, in dem er über einen Zeitraum von sechs Wochen 13 Mal rund 30 Minuten spielen muss“, sagt Mithat Demirel. Zudem sei er nach seiner Fußverletzung noch nicht wieder komplett fit.

Jonas Wohlfahrt-Bottermann begrüßt die Verpflichtung. „Das stärkt uns nur“, sagt der Neu-Berliner vor dem Bundesligaspiel in seiner alten Heimat Bonn (20 Uhr, live auf Sport1), „ich glaube nicht, dass es mich in meiner Entwicklung behindern wird.“ Er werde mit Slokar ähnlich zusammen spielen wie mit Radosevic. 

Dass das Thema Nachverpflichtung bei Alba nicht unumstritten war, hat die Uneinigkeit im Klub nach dem MBC-Spiel gezeigt. Der Trainer forderte Verstärkung, das Management betonte, dies sei nicht unbedingt nötig. „Es war ein Missverständnis, wir sind alle einer Meinung“, sagte Trainer Sasa Obradovic am Donnerstag, „ich werde vorsichtiger sein mit meinen Aussagen.“

Gegen seinen alten Klub wird Jonas Wohlfahrt-Bottermann „im Idealfall“ erneut rund 25 Minuten spielen, glaubt Demirel. Slokar solle nur den Druck auf ihn mindern und ihm Verschnaufpausen geben. „Jonas befindet sich noch am Anfang seiner Entwicklung“, sagt Demirel, „diese soll nicht gestoppt werden, weil der Druck zu groß wird.“ Doch ist es für die Entwicklung junger Spieler nicht auch wichtig, Verantwortung zu übernehmen und Druck zu verkraften?

Ähnlich argumentierte kurioserweise Trainer Sasa Obradovic am Donnerstag – bevor Alba die von ihm forcierte Verpflichtung bekannt gab. Als Begründung, warum er in Rom auf eine kürzere Rotation setzte, Sven Schultze gar nicht spielen ließ und Jonas Wohlfahrt-Bottermann trotz einer schwachen Leistung auf dem Feld beließ, sagte er: „Ich habe dieses Opfer für seine Zukunft gebracht.“ Es sei die einfachste Maßnahme, jemanden auf die Bank zu setzen. „Ich will aber, dass Jonas auch mal Fehler macht“, sagte Obradovic. Interessant ist, ob der Coach das in den kommenden Spielen ähnlich sehen wird. Oder Uros Slokar einwechselt.

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