Alba Berlin : Alba lockt nicht mehr

Philip Zwiener, Patrick Femerling und Johannes Herber würden zwar gerne bei Alba Berlin bleiben – ihr Beispiel als Bankdrücker könnte es dem Klub aber erschweren, andere deutsche Basketballer zu holen.

Lars Spannagel
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Stammplatz bei Alba. Die deutschen Nationalspieler Johannes Herber (links) und Philip Zwiener kamen selten zum Einsatz. Foto:...

Berlin - Wenn Alba Berlin in der vergangenen Saison in der Basketball-Europaliga spielte, hat Sven Schultze in Griechenland vor dem Fernseher sehr genau hingesehen. Von seinen Nationalmannschaftskollegen Patrick Femerling, Philip Zwiener, Johannes Herber und Steffen Hamann bekam der 30 Jahre alte Profi vom griechischen Erstligisten Olympia Larisa dann aber sehr wenig zu sehen. Unter Trainer Luka Pavicevic kamen die vier Deutschen nur selten zum Einsatz, allein Hamann hatte einen festen Platz in Albas Rotation. In der kommenden Bundesliga- Saison muss jeder Klub vier statt bisher drei deutsche Spieler pro Partie melden, allein Herber und Hamann besitzen noch einen Vertrag. Es könnte also sein, dass die Berliner weitere Deutsche verpflichten müssen. Der ehemalige und potenziell neue Alba-Spieler Schultze bezeichnet es zurzeit als „wenig verlockend“, noch mal das gelbe Trikot überzustreifen.

„Ich würde nur kommen, wenn ich auch eine Rolle spiele“, sagt Schultze, der noch bei keinem Klub für die kommende Saison unterschrieben hat. „Ich habe in den letzten Jahren gezeigt, dass ich zu gut bin, um mich auf die Bank zu setzen.“ Der 85-malige Nationalspieler, der viermal Deutscher Meister mit Alba wurde, findet es „schade“, dass die Deutschen bei Alba so wenig gespielt haben. „Zumal sie gleich gut sind oder besser als andere Leute, die da unter Vertrag standen.“

Der Konkurrenzkampf um wettbewerbsfähige deutsche Basketballer wird in den nächsten Wochen wachsen – fast alle Bundesligisten müssen ihren Kader verändern. Der Markt aber ist begrenzt: Es gibt wenige deutsche Spieler, die Alba weiterhelfen können. Jan Jagla vom spanischen Europaligisten Joventut Badalona hat beispielsweise wenig Gründe, seinen Klub zu verlassen. Aber auch bei weniger prominenten Basketballern lautet nach dieser Saison die Frage: Ist Alba für deutsche Spieler überhaupt noch attraktiv?

„Eine gute Frage“, findet Patrick Femerling, hat aber selbst keine eindeutige Antwort. Unter Pavicevic spielte Albas 2,15 Meter großer Kapitän zuletzt gar keine Rolle mehr, trotz seiner unbefriedigenden Saison würde Femerling gerne bei Alba bleiben. Allerdings könnte er sich mit seinem mehrfach wiederholten Plädoyer für seine deutschen Kollegen eine Zukunft in Berlin verbaut haben. Ein Angebot hatte ihm der Verein bis zum überraschenden Saisonende am Donnerstag jedenfalls noch nicht gemacht.

Auch Philip Zwiener hat sich noch nicht von Alba verabschiedet. „Ich fühle mich wohl in Berlin und habe Lust, hier zu bleiben“, sagt der 23-Jährige. „In den nächsten Tagen werde ich mich mit den Alba-Verantwortlichen zusammensetzen. Ich hoffe, dass wir uns einigen können.“ Es habe zwar Anfragen anderer Klubs gegeben, Alba sei für ihn aber erster Ansprechpartner, sagt Zwiener. Den Frust der letzten Monate hat er anscheinend verdaut: „Jammern hilft nicht.“ Auch Zwieners Leidensgenosse Johannes Herber will seinen Vertrag auf jeden Fall erfüllen. Der 26-Jährige hofft darauf, endlich einmal gesund in die Saison zu gehen und sich einen festen Platz in der Rotation von Luka Pavicevic zu erkämpfen.

Albas Geschäftsführer Marco Baldi macht sich „überhaupt keine Sorgen“, deutsche Spieler nach Berlin lotsen zu können: „Ich sehe keinen, der sagt: Zu Alba gehe ich nicht.“ Nach dem Aus gegen die Baskets Bonn am Donnerstag sagte Baldi auch auf Sven Schultze angesprochen: „Wenn wir ihn wollen und wir uns einigen können, kommt der sofort.“ Baldi kündigte an, mit Herber, Zwiener und Femerling sprechen zu wollen: „Wir werden uns hinsetzen und fragen: Wie seht ihr eure Rolle? Was traut ihr euch zu? Das muss übereinstimmen.“ Klar ist: Luka Pavicevic wird keinem deutschen Spieler Einsatzzeiten versprechen. Zumindest Herber und Zwiener scheinen aber das Risiko eingehen zu wollen, eine weitere Saison als Bankdrücker zu verbringen.

Selbst ohne die Perspektive Europaliga und mit der Aussicht auf wenig Spielzeit würde auch Sven Schultze nicht sofort auflegen, falls ihn Baldi anruft. „Alba steht in Deutschland natürlich an erster Stelle. Ich bin für alles offen.“

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